Schulenschelte

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Sponsel , R. : Potentielle Kunst-/Fehler aus der Sicht der Allgemeinen und Integrativen Psychologischen Psychotherapie; Report Psychologie 8/97, S. 602-621

 

 

Sponsel ist ein überzeugter Anhänger der Allgemeinen und Integrativen Psychologischen Psychotherapie. In der Einleitung führt er wieder einen typischen Kurzschluß vor, wie ihn schon Grawe, Donati und Bernauer (1994, z.B. S. 786) anboten (Zitat) :

Behandlungsfehler begleiten unseren psychotherapeutischen Alltag und sind unvermeidlich. Aber es kommt natürlich darauf an: welche, wie bedeutsam sind sie, wie können sie konstruktiv-positiv verwertet werden und wie geht man mit dem Fehlerproblem im allgemeinen und im besonderen um, wie korrigiert man sie und wie lernt man aus ihnen? Diskussion, Problematik und Ahndung der heilkundlichen Kunstfehler sind fast so alt wie die Heilkunde selbst. Bereits das babylonische Recht - rund 1700 Jahre vor Christus -sah im Codex Hammurabi drastische Strafen vor (ausführlich zur Geschichte der [ärztlichen] Kunstfehler' Mallach et al. 1993, S. 2 ff). So ist die Kunst-/ Fehler-Diskussion in der medizinischen Heilkunde hoch entwickelt. Juristisch ist dort klar: " Übersieht der Arzt veröffentlichte neue Behandlungsmethoden und hält er an Überholtem fest, so handelt er pflichtwidrig (B GH NJW 19 78 58 7, OLG BambergVerR]977436)"(aa.O., S. 10). Ersetzt man in dem Text das Wort "Arzt" durch "Psychotherapeutln", wird klar, daß sich eine solche Auffassung nicht mit"Therapieschulen" verträgt. Eine wissenschaftliche Psychotherapie kann es sich daher nicht mehr leisten, dieses Thema als Nebenschauplatz am Rande zu behandeln.Tatsächlich ist es mit der Idee einer allgemeinen und wissenschaftlichen Psychotherapie unvereinbar, die Definition der Kunst-/Fehler den Psychotherapieschulen zu überlassen, da die strenge Beschränkung auf eine "Schule" schon als grundsätzlicher allgemeiner Kunstfehler bewertet werden kann, es sei denn, eine Schulentherapeutln nimmt eine relativ enge Indikationsbeschränkung an. (Sponsel, S. 602, Hervorhebung von mir, E.S.)
 
 
Der Kurzschluß scheint mir zu sein, daß die Zugehörigkeit zu einer Psychotherapieschule (=die therapeutische Sozialisation im Rahmen einer Therapierichtung, die Teilnahme an einem Diskussionszusammenhang in einer psychotherapeutischen Gesellschaft) identisch sei mit der Unfähigkeit, Veröffentlichungen über neue Behandlungsmethoden aufzunehmen und zu integrieren, also identisch mit einer als Feindbild aufgebauten Scheuklappenmentalität.