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des DPI 05|04|00 |
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Fachtexte zur
Entwicklung von
Psychotherapie in Theorie und Praxis
Regina Konrad
Die therapeutische
Haltung
und ihr Einfluß auf den Heilungsprozeß
Vorwort
Ich habe diesen Vortrag auf der Jahrestagung der
analytischen Kinder- und Jugendlichentherapeuten im Mai 1999 in Hameln gehalten. Das Motto
der Tagung lautete: Was heilt?, worauf ich am Anfang des Vortrages auch Bezug nehme.
Üblicherweise werden die Vorträge später in einem Tagungsband veröffentlicht. Meiner
wurde mit der Begründung abgelehnt, er referiere vorwiegend subjektive Eindrücke. Meine
Gedanken seien nicht in einen allgemeinen wissen- schaftssprachlichen oder klinischen
Diskurs eingebunden. Ohne nun vermessen zu erscheinen hat es mich trotzdem sehr gefreut,
die Gedanken, die ich in diesem Vortrag eher assoziativ ausführe, wiederzufinden in einem
Beitrag von Helmut Thomä in der Psyche 9/10/99: Zur Theorie und Praxis von Übertragung
und Gegenübertragung im psychoanalytischen Pluralismus.
Viel Freude beim Lesen! Und : Über ein feed back würde
ich mich freuen.
Vom Glauben der Berge versetzt
Zunächst möchte ich Ihnen sagen, wie sehr mich das
Tagungsthema angesprochen hat. Was heilt? Was heilt wirklich, möchte ich ergänzen. Was
für eine schlichte und doch so grundlegende und schwierige Frage.
Nehmen Sie sich wenn Sie mögen - einen Augenblick
Zeit: Wenn Sie an eine Ihrer erfolgreichen Therapien denken:
- Was hat diese Therapie für Sie zu einer besonderen gemacht?
- Womit oder wodurch glauben Sie - wurde der
Patient/die Patientin geheilt? Würde er/sie es auch so sehen? Und:
- Wenn Sie an Ihren eigenen Heilungsprozeß denken, was hat
ihn befördert, was war hinderlich?
- Heil sein ganz, vollständig. Was bedeutet "heil
sein" für Sie? Welche Bilder/Worte/Gefühle verbinden Sie damit?
Heil, so lese ich im Brockhaus, kommt vom gotischen hails,
das gesund bedeutet. Heil steht für Geborgenheit, Vollständigkeit, Unversehrtheit.
Heil ist ursprünglich die den Menschen tragende
Lebenskraft. Fehlt diese, so mangelt es an Heil, und es tritt der Zustand des Unheils ein.
Im religiösen Sinn bedeutet Heil einen anzustrebender Zustand des Glücks, zu dem
die Erlösung aus dem unvollkommenen Zustand der Sünde durch einen Heiland, einen
Heilsbringer, führt. (dtv-Brockhaus-Lexikon, Band 8, 1982 )
Der gemeinsame Ursprung von heilen und
heilig zeigt, daß Heilen ursprünglich mit übernatürlichen, magischen,
göttlichen Kräften in Zusammenhang gebracht wurde. Der Heiler war gleichzeitig der
Priester, der Schamane, der von Gott/ den Göttern Auserwählte und Berufene, denn nur
Gott hatte die Macht über Leben und Tod. Diese Macht gab er an seine Diener weiter. Die
Vorstellung von Krankheit(von einem Dämon besessen sein) war eingebettet in den Glauben
an Gott und somit auch die Vorstellungen über das Gesund, das Heil werden.
Ich möchte Sie nun zunächst einstimmen mit zwei kleinen
Geschichten, die sich so oder vielleicht auch nur so ähnlich vor 2000 Jahren in der
Gegend um Nazareth zugetragen haben sollen.
Ein Blinder kam zu Jesus. "Jesus sprach: Was willst
Du, daß ich Dir tun soll? Er sprach: Herr, daß ich wieder sehen möge. Und Jesus sprach
zu ihm: Sei sehend! Dein Glaube hat Dir geholfen. Und alsbald ward er sehend." (Lukas
18, 40)
"Was willst du ..", fragt Jesus zunächst. Was
sind deine Ziele, deine Vorstellungen, deine Erwartungen an mich, "daß ich dir tun
soll". Jesus stellt sich auf die Vorstellungswelt des Kranken ein, er fragt nach
seiner Motivation und interessiert sich dafür, wie der Kranke sich sein Gesundwerden,
seinen Heilungsprozeß und die Rolle des Heilers darin vorstellt. "Daß ich wieder
sehen möge" ist eine klare Vorstellung im Bereich der Möglichkeiten des Patienten
(wieder deutet ja an, daß er den Zustand kennt). Er erwartet eine
Veränderung für sich selber, an der er beteiligt ist. Mit seiner Frage stellt sich Jesus
aber nicht nur auf die innere Welt des Patienten ein, sondern er eröffnet auch einen
gemeinsamen Ziel- und Lösungsraum, er imaginiert sozusagen gemeinsam mit dem Kranken den
ersehnten Zustand, richtet seine Kräfte darauf aus. Als er "Sei sehend" sagt,
ist das eine Realisierung, eine Umsetzung von dem, was sie vorher gemeinsam in der
Phantasie
entworfen haben. Mit "Dein Glaube hat dir geholfen", sagt er dem Kranken, daß
er- der Kranke - einen wesentlichen Anteil an dieser Veränderungsarbeit hat. Dein Glaube
hat dir geholfen. Was könnte Glaube hier bedeuten? Vertrauen zu dem Heiler,
Vertrauen in die gemeinsamen Arbeit, die Überzeugung, gesund werden zu können, und der
Wille dazu? Wichtige Elemente jeder positiven Veränderung.
In der nächsten Geschichte kommt ein Vater mit seinem
vielleicht epileptischen Sohn zu Jesus. Er hatte sich vorher schon an die Jünger gewandt,
die den Jungen aber nicht heilen konnten, und ist dementsprechend skeptisch/mißtrauisch:
"Kannst du aber was, so erbarme dich unser und hilf.
Jesus aber sprach: Wie sprichst du: Kannst du was? Alle Dinge sind möglich, dem der
glaubt. Alsbald schrie des Kindes Vater: Ich glaube, hilf meinem Unglauben." (Markus
9,22)
Ich finde das ein sehr schönes Beispiel. Jesus sagt, es
ist zunächst nicht die Frage, ob ich etwas kann, oder auch was ich kann, sondern: Alle
Dinge sind möglich, dem der glaubt; d.h. auch hier sagt er, der Heilungsprozeß geht von
dir aus, ich kann ihn unterstützen, aber nur wenn du mir die Macht dazu gibst. Es ist
etwas, was zwischen uns passiert, an dem du beteiligt bist.
Er weist den Vater auf seine Ambivalenz hin, macht ihm aber
gleichzeitig auch ein Arbeitsangebot, zeigt ihm einen Weg. Der Vater versteht wohl dieses
Angebot, denn er antwortet: Hilf meinem Unglauben, also hilf dem Teil in mir, der sich
sperrt, der skeptisch ist, der noch nicht bereit ist.
Zu den Jüngern, die ihn später fragen, warum sie den
Jungen nicht heilen konnten, sagt Jesus: Weil euer Glaube so klein ist. Wenn euer Glaube
auch nur so groß ist wie ein Senfkorn, dann werdet ihr diesem Berg sagen: Rück von hier
nach dort!, und er wird wegrücken. Nichts wird euch unmöglich sein. (Matthäus 17,19)
Nicht nur der Kranke muß Vertrauen in die Heilkraft des
Heilers haben, nicht nur der Kranke muß gesund werden wollen, sondern der Heiler selbst
muß, um heilen zu können, von seiner Heilkraft überzeugt sein. Er muß in der Lage
sein, die Selbstheilungskräfte des Kranken zu mobilisieren.
Interessanterweise weisen neuere Forschungen auf den engen
Zusammenhang zwischen Glauben/innerer Überzeugung und Heilung hin.
Jerome D. Frank (1997, S.195ff) wertete in seinem Buch
"Die Heiler" verschiedene Untersuchungen / Experimentalreihen zu den Wirkungen
von Placebos aus und kommt zu dem Schluß, daß Placebos immer dann hochwirksam sind, wenn
der Arzt und der Patient von ihrer Wirksamkeit überzeugt sind. Placebos werden definiert
als inaktive Substanzen, die auf die Situation, für die sie verschrieben werden, keine
direkte Auswirkung haben, sondern aufgrund der Erwartung des Patienten wirken. Ein Placebo
ist dann wirksam, wenn es die Überzeugung des Patienten mobilisieren kann. Ich möchte
Ihnen hier nur eine dieser für mich sehr faszinierenden Untersuchungen referieren. In
dieser Untersuchung wurde festgestellt, daß Placebos im Doppelblindversuch als
schmerzstillendes Mittel verabreicht, verglichen mit der Wirkung von Morphium einen
Wirkungsgrad von 55% haben. Das hat -so der Gehirnforscher Robert Ornstein-etwas damit zu
tun, daß unser Körper in Lage ist, schmerzstillende Substanzen(Endorphine) zu
bilden(Ornstein 1993, S.97ff). Jerome D. Frank kommt zu dem Schluß, daß unsere innere
Einstellung eine Behandlung unterstützen, sie wirkungslos machen oder ins Gegenteil
verkehren kann. Wichtig ist, daß auch der Arzt von der verordneten Therapie überzeugt
ist oder zumindest diese Überzeugung transportieren kann. Seine Wortwahl, seine Stimme,
seine Körpersprache haben einen wesentlichen Einfluß auf den Heilungsprozeß(s.
Tsp.v.22.2.99; Frank 1997, S.200). Glauben Arzt und/oder der Patient, daß Genesung ein
langer und schwieriger Prozeß ist, und der Patient vielleicht nie wieder völlig gesund
werden wird, so kann die Therapie durch diese Einstellung wesentlich beeinträchtigt
werden.
Überzeugungen, Annahmen, Glaubenssätze sollen hier
verstanden werden als Leitprinzipien, nach denen wir leben und handeln. Wir
verhalten uns so, als ob sie wahr wären, unabhängig davon, ob sie es tatsächlich sind.
Überzeugungen sind Generalisierungen, die auf vergangenen Erfahrungen beruhen und die
unsere zukünftigen Reaktionen, aber auch Erwartungen formen. Sie bilden ein System, das
unseren Erfahrungen Kohärenz, eine innere Stimmigkeit verleiht. Dadurch bieten sie
Stabilität und lassen uns eine Situation besser verstehen. (Frank 1997, S.52 ff).
Die therapeutische Haltung - Ideal und Wirklichkeit
Was hat das alles mit meinem Thema zu tun? Wenn wir
als Analytiker über die therapeutische Haltung nachdenken jedenfalls ist das in
der Literatur so- dann geht es ja zunächst nicht um Glaubenssätze, sondern um die
Befolgung der Grundregel: Wohlwollende Neutralität, gleichschwebende Aufmerksamkeit und
die Abstinenzregel. Ein guter Therapeut wartet ab, gibt Raum, er läßt sich nicht
verwickeln, er heilt durch Deutungen, er beantwortet keine Fragen, macht keine Geschenke
und nimmt auch keine an. Ein guter Therapeut agiert nicht, beachtet seine
Gegenübertragung und nutzt sie, um die unbewußten Konflikte des Patienten zu erkennen.
Ein guter Therapeut ist empathisch. Er läßt sich auf das interaktionelle Geschehen ein,
er ist Teilnehmer und Beobachter.
Dies zunächst zur korrekten Haltung. Ein Sammelsurium aus
Verhaltensanweisungen- und vorschriften, aus Geboten und Verboten, die sich zum Teil
widersprechen.
Am hartnäckigsten halten sich die Gebote und Verbote, die
meist losgelöst von ihrem Entstehungs- und damit oft auch Bedeutungshintergrund tradiert
werden. Ich jedenfalls zucke immer noch zusammen, wenn mir ein Kind eine Frage stellt.
Weil mit diesen oft verkürzt wiedergegebenen Vorschriften
soviel Schindluder getrieben wird, möchte ich die Kontroverse, die unter Analytikern sehr
heftig geführt wird, ansatzweise wiedergeben, und dann noch einmal schärfer fragen, was
das für uns als Kindertherapeuten bedeutet.
Lassen Sie mich mit der Abstinenz und der Neutralität
beginnen.
Paul Parin möchte die Abstinenzregel auf den Kern,
nämlich die sexuelle Abstinenz, beschränkt wissen und bemerkt lakonisch. "Auf die
Frage, wie sich die Etablierung der Abstinenzregel ob sie nun ganz, teilweise oder
gar nicht befolgt wird auf die Analyse ausgewirkt hat, habe ich nur die Antwort:
ungünstig, kontraproduktiv oder ganz verderblich."(Parin 1987, S.176)
Und zur Neutralität: "Mit dem Streben nach
Neutralität wirkt der Analytiker unberührt, vielleicht unberührbar. Statt sich der
Entfaltung von übertragenen Gefühlen, Wünschen, Hoffnungen und Ängsten zur Verfügung
zu halten, hat er ein ganz bestimmtes Verhältnis zum Analysanten installiert: ein
Machtgefälle."(Parin 1987, S.177)
Und Margarethe Mitscherlich schreibt: "Ich würde
meine Grundhaltung nicht unbedingt als politisch definieren, sie ist
genausogut eine ethische, psychoanalytische, erkenntnistheoretische, wahrheitssuchende
...nur eine neutrale ist sie nicht, von der ich übrigens auch glaube, daß sie nur eine
herzlose, zynische oder sich selbst betrügende Haltung sein kann."(Kutter 1988,
S.VII)
Daniel Stern sagte im Rahmen eines workshops zu einer
Kollegin, die Abstinenzegel sei von einem jungen Arzt angesichts seiner überwiegend
jungen, attraktiven, weiblichen Klientel aufgestellt worden, als Schutzmaßnahme
sozusagen.
Wenn das zuträfe, dann wäre natürlich die nächste
Frage: Wovor müssen wir als Kindertherapeuten uns schützen? Welche gefährlichen
Verwicklungen könnte es für uns geben und welche Regel könnte uns davor bewahren?
Paul Parin vermutet, daß die Abstinenzregel uns vor den
schwer erträglichen Ansprüchen unserer Patienten, aber auch vor Zweifel und Unsicherheit
schützen soll. Sie hüllt uns in die Aura der Allwissenheit ein und verleiht uns dadurch
Macht. Vielleicht soll sie uns auch vor dem Verwickeltwerden, dem Agieren schützen, aber
ist nicht der beste Schutz das Eingeständnis, daß wir immer auch verwickelt sind, und
eine angstfreie Reflexion dieses Prozesses?
Parin begründet für mich sehr schlüssig, daß es eine
abstinente Haltung gar nicht geben kann, daß wir in jeder Analysestunde eigene
Bedürfnisse und die Bedürfnisse unserer Patienten befriedigen, ja er geht sogar soweit
zu behaupten, die wirkliche Befolgung der ganzen Regel verhindere jeden analytischen
Prozeß(Parin 1987, S.175).
Aber entgegen diesen so oft vorgetragenen Einwänden halten
sich hartnäckig Vorurteile und Gleichsetzungen: Abstinent sein, heißt passiv sein,
heißt schweigen, abwarten, Raum geben, das Gegenteil davon ist aktiv sein, und das
bedeutet, den Patienten einzuschränken, zu manipulieren.Wenn ich passiv bin, greife ich
nicht ein, nehme keinen Einfluß, ich beobachte nur und deute. Ist das so? Egal ob
schweigend,
ob passiv oder aktiv, ich bin immer Teilnehmer am Geschehen und beeinflusse damit den
Prozeß. Ich beeinfluße den Prozeß mit meiner inneren Einstellung, mit meinen
Menschenbild, mit meinen Werten und dies um so mehr je weniger ich diese Einstellung zum
Gegenstand der direkten Untersuchung mache, je unbewußter sie bleibt. Sowohl die
theoretische Richtung wie auch die therapeutische Technik, der ich
mich zuneigt fühle, hat etwas mit meinem Menschenbild und mit meinen Werten zu tun. Dies
ist das Resultat psychoanalytischer Forschungsergebnisse, die Thomä und Kächele in der
Einführung zu ihrem Lehrbuch zitieren. (Thomä/ Kächele 1996, S. 57)
Wenn wir uns darauf verständigen, daß eine therapeutische
Haltung hilfreich sein sollte, daß heißt im Prozeß förderlich, dann wäre es ja
interessant, welche kurativen Faktoren die psychoanalytische Therapieforschung zutage
gefördert hat. Ich zitiere hier aus der Übersichtsarbeit von Kächele (Kächele 1992, S.
273).
Die kurativen Faktoren:
- Die Erfahrung einer hilfreichen Beziehung
- Die Fähigkeit des Therapeuten zu verstehen und zu
antworten.
- Die Vermehrung der Einsicht des
Patienten(self-understanding)
- Die Fähigkeit des Patienten, seine Behandlungsgewinne zu
internalisieren
- Die Motivation des Patienten, sich zu verändern
- Die größere Toleranz des Patienten für Gedanken und
Gefühle
Manfred Pohlen betont in seinem Vortrag anläßlich seiner
Eremitierung: "Die Persönlichkeit des Therapeuten ist wirksamster Faktor, sein
Menschen- und Weltverständnis und v.a. das darin implizierte Wertesystem von
entscheidender Bedeutung. Das Gelingen oder Mißlingen des Prozesses ist also davon
abhängig, welche Werte das interaktionelle (Hervorhebung R.K.)Geschehen bestimmen."
(Pohlen 1999, S.75)
Ich glaube, daß die meisten Kindertherapeuten
interaktionell arbeiten. Uns wären, wie es Rainer Krause in einem workshop in Berlin so
schön plastisch ausdrückte, ansonsten auch die Radiergummis um die Ohren geflogen. D.h.
es gab für uns immer schon eine andere Technik, eine die sich nicht nur auf passives
Beobachten, Verstehen und Deuten beschränkte.
Ich vermute einmal, daß die meisten Kindertherapeuten
einen hyperaktiven, zu Grenzüberschreitungen neigenden kleinen Jungen nicht gewähren
lassen, sondern daß sie Grenzen setzen und daß sie mitunter, wenn sich wenig entwickelt
(wieviel Kinder können noch frei spielen), auch anregen, anstoßen, hineingeben. Das
heißt daß wir neben einer Grundeinstellung, die etwas mit unseren mehr oder weniger
bewußten Werten/ Überzeugungen zu tun hat, eine therapeutische Haltung einnehmen, die
patientenzentriert ist, die variert von Patient zu Patient und die abhängig ist vom
Verlauf der Therapie. (s. Kutter 1988, S.19)
Bei dem Vortrag von Manfred Pohlen wurde mir deutlich, daß
unter Analytiker eine Auseinandersetzung um eine neue Identität stattfindet, in der sie
sich als Teilnehmer eines Interaktionsprozesses sehen und verstehen, eine
Auseinandersetzung, die, wie ich zuerst vorschnell dachte, wir gar nicht führen müssen.
Wir mußten immer schon systemisch denken, zu dem Kind die Gesamtfamilie, die Interessen,
Erwartungen und Befürchtungen aller im Auge behalten, die Balance nicht nur des
Patienten, sondern auch seiner Familie
sehen. Wir konnten nicht monokausal denken, weil wir immer schon intrapsychische Konflikte
mit den interpersonellen verknüpft haben, ja weil wir bei den kleinen Kinder die
Entstehungsgeschichte der intrapsychischen Konflikte aus den interpersonellen förmlich
miterleben konnten. Wir sind viel stärker als Person gefordert, sowohl in der Therapie
mit den Jugendlichen, aber auch weil gerade bei uns der Anteil
der nonverbalen und der Anteil der symbolischen Kommunikation sehr hoch ist.
Und doch habe ich mir gedacht: das ist unsere Praxis.
Inwieweit sind wir durch Lehranalyse und Supervision, durch mannigfache Identifikation
nicht doch verbunden mit dem Ideal der reinen Psychoanalyse, die wir eben nur bedingt
praktizieren können. Inwieweit messen wir uns an diesen Ansprüchen und werten die
eigene, schwierige Arbeit ab, die gerade deshalb auch so schwierig ist, weil es uns an
Vorbildern fehlt? Inwieweit ist unsere ideale therapeutische Haltung als Kindertherapeuten
nicht doch von den Idealen der
Erwachsenanalyse geprägt, und wir geraten in innere Konflikte, weil wir tagtäglich
dagegen verstoßen, verstoßen müssen?
Wie komme ich darauf?
Einmal fällt mir auf, wie schwer es ist,
Kindertherapeuten, auch und gerade erfahrene Kindertherapeuten zu finden, die
Stundenprotokolle von Sitzungen bei workshops vorstellen. Schon gar welch heiße
Diskussionen es gibt, ob wir Erstinterviews zu Lehrzwecken auf Video aufnehmen wollen und
wer sich daran beteiligt.
Ich vermute dahinter die Sorge, daß die tägliche Praxis
(vielleicht ja nur die eigene?) den psychoanalytischen standards nicht entspricht, den
theoretischen Ansprüchen, mit deren Hilfe wir uns vor nicht allzulanger Zeit aus der
Spiel- und Bastelecke herauskatapultiert haben, und vielleicht kämpfen wir ja noch zu
sehr damit, sie zu verinnerlichen, als daß wir sie schon wieder kritisieren können.
Mir ist bei der Durchsicht der Literatur aufgefallen, wie
wenig wir- jedenfalls im deutschsprachigen Raum - an der theoretischen Auseinandersetzung
beteiligt sind. So gibt es in dem informativen Sammelband "Die psychoanalytische
Haltung" keinen Artikel zu der Haltung in der Therapie von Kinder und Jugendlichen.
Unser Kollege Michael Naumann-Lenzen hat schon 1994 in seinem Vortrag "Jenseits der
Deutung"gefragt, ob wir uns mit der Rückkehr zum Deutungspurismus die Anerkennung in
der psychoanalytischen
Gemeinschaft erkaufen wollen. Und auch er hat festgestellt, daß dies ein interessanter
Prozeß sei angesichts der gegenläufigen Tendenzen innerhalb der analytischen Diskussion.
(Naumann-Lenzen 1994, S.266)
Ich hoffe, aus dem bisher Gesagten ist deutlich geworden,
daß es mir bei meinen Ausführungen nicht um richtig oder falsch
geht.
Konstruktivistische Autoren unterscheiden die harte und die
weiche Realität. Soziale Prozesse z.B. gelten als Teil der weichen Realität. Die meisten
Eigenschaften, die wir uns in unserem sozialen Handeln zuschreiben(A ist .. B kann..) sind
letztlich willkürlich, plastisch, verformbar eben Überzeugungen. Sie wirken wie
Realitäten, weil sie von einer für uns wichtigen Gruppe und /oder der Kultur, in der wir
leben, geteilt werden. Je eher sie dem dominanten Bewußtsein unserer jetzigen Kultur
entsprechen, desto wahrhaftiger, wirklicher erscheinen sie uns. Hilfreich ist es manchmal
aus dem Blickwinkel der Normen, Werte und Konstruktionen einer anderen Kultur auf die
unsere zu blicken, um die historische Bedingtheit (das Gewordensein) unserer Werte und
Glaubenssysteme zu erkennen.
Wenn das aber so wäre, daß wir Wirklichkeit konstruieren,
dann wäre es ja eine entscheidende Frage, welche Wirklichkeit wir konstruieren. Welche
Überzeugungen sind dann im therapeutischen Prozess hilfreich, welche sind eher
schädlich?
Ich komme nun zu einem weiteren Lieblingskind der
Analytiker, um das untereinander heftig gestritten wird, über das wir uns aber nach
außen, gegenüber den anderen einig sind: Der Länge der Analyse.
Jede Veränderung dauert lange, wenn sie eine
Veränderung ist
Ich möchte mit einem Beispiel beginnen: In einem workshop
über die Entwicklungsdynamik früher Störungen der Eltern-Kind-Beziehung zeigte Frau
Papousek die Videosequenz einer Interaktion zwischen einer Mutter und ihrem Säugling und
bat uns dann, das Gesehene zu kommentieren. Ich gebe hier einige Kommentare der Teilnehmer
zu dieser Videosequenz wieder, so wie ich sie in Erinnerung habe: "Die Mutter ist
kontrollierend" "Eine sehr übergriffige Mutter" "Eindringend"
"Kalt" "Unempathisch" "Die Mutter bemüht sich so um ihr Kind,
sie bekommt gar keine Resonanz" "Sie wirkt hilflos" "Sie kann das Baby
nicht erreichen, sie merkt es, aber sie probiert immer dasselbe" "Das Baby
reagiert gar nicht auf die Mutter" "Je mehr sich die Mutter bemüht, desto
abweisender wird das Baby". Frau Papousek schlug als Intervention - der Mutter
das stillface-experiment vor. Die Mutter sollte für ein paar Minuten ein unbewegliches
Gesicht machen. In der nächsten Videosequenz zeigte Frau Papousek die Reaktion des Babys:
Das Baby fing jetzt an, sich um die Mutter zu bemühen. Für die Mutter ein wohl sehr
erschütterndes Erlebnis, das noch einmal dadurch verstärkt wurde, daß Frau Papousek das
Video gemeinsam mit ihr ansah und besprach. Wie Frau Papousek uns erläuterte, erlebte die
Mutter in dieser Episode: Das Baby mag mich, es lehnt mich nicht ab, es bemüht sich
um mich und .. es braucht ein wenig Raum zur Eigeninitiative. Eine kleine Intervention mit
einer großen Folge.
Interessant waren die Reaktionen einiger Teilnehmer in der
Pause:
Das geht doch gar nicht mit so einer kleiner
Intervention auf der Verhaltensebene kann man doch keine Veränderung erreichen das
reicht doch nicht ohne eine längere Therapie kann man bei so einer schweren
Störung doch gar nichts erreichen. Das ist doch viel zu verhaltenstherapeutisch.
Erstaunlich?
Stern hat in seinem Buch "Die
Mutterschaftskonstellation" ausgeführt, welch hochsensible Zeit die Zeit der
Mutterschaft ist, wie durch ganz andere Gesetze bestimmt.(Stern 1998, S.209ff) In dieser
Phase können Interventionen intensiver wirken, weil die Mütter empfänglicher sind.
Veränderungen können schneller umgesetzt werden und wirken sich sowohl auf das Verhalten
als auch auf die Repräsentanz aus, die die Mutter von sich als Mutter, von ihrem Kind und
ihrer gemeinsamen Interaktion hat, weil die Repräsentation die Interaktion, aber auch die
Interaktion die Repräsentation beeinflußt, also andere Erwartungen an die Welt
ausbildet.(Stern 1998, S.139f + S.161) Auch Paulina Kernberg führte bei einem workshop
aus, daß gerade Mutter-Kind-Therapien meist mit 6-12 Sitzungen auskommen. Sie wird zu
diesem Thema im Juni in Berlin einen workshop machen. Aber auch ohne diese Information:
Warum müssen einige von uns soviel Abwehr mobilisieren, wenn sie scheinbar leichte
Interventionen mit raschen Veränderungen miterleben? Was sagt das über unsere eigene
Identität, was über unsere Überzeugungen? Ist es zunächst nicht interessant, wenn wir
mit anderen Formen/Möglichkeiten von Heilungsprozessen konfrontiert sind, die anscheinend
auch wirken, und wäre nicht eigentlich die nächste Frage dann, wie denn genau. Welche
Hypothesen kann man dazu aufstellen? Was können wir daran modellhaft lernen? Kann es
unsere eigenen Prozesse bereichern oder ist es für mich persönlich eher untauglich.
Warum müssen wir andere Ansätze so in Frage stellen, anstatt sie als Bereicherung
zu erleben? Welche Einstellungen/welche Glaubenssysteme/welche Erfahrungen kommen da zu
Vorschein?
Der Chicagoer Psychoanalytiker Michael Basch schreibt in
seinem Buch "Kurzzeittherapie", er habe nach langen Jahren der Ausbildung und
Supervision das Gefühl, daß einer erfolgreichen Kurzzeittherapie am meisten der Glaube,
die Einstellung des Therapeuten entgegenstehe, jede Veränderung brauche lange(Basch 1997,
S.14). Die Ulmer Psychoanalytiker Thomä und Kächele ergänzen: Nichts prägt den
Arbeitsstil des künftigen Therapeuten so sehr wie seine eigene Lehranalyse und seine
Supervision. Je länger die eigene
Lehranalyse desto länger die Therapien mit den Patienten. Hinzu käme eine innerhalb der
analytischen Gemeinschaft ganz außergewöhnliche Hochschätzung jeglicher Quantität,
nach der Formel je länger desto besser, auf deren narzißtische Komponente Glover schon
1955 aufmerksam gemacht habe. (Thomä/Kächele 1996, S.45).
Nun kann ich annehmen, daß viele von ihnen diese
Überzeugung teilen. Es ist eine Überzeugung, die wir mit der Gemeinschaft der Analytiker
bei allen schulenmäßigen Unterschieden teilen, sie ist sozusagen verbindend,
identitätsstiftend. Therapie dauert lange, muß lange dauern, sonst ist sie keine
richtige Therapie, die etwas verändert. Alle anderen Therapieformen sind oberflächlich,
wirken nicht strukturell.
Um das hier klarzustellen, es geht mir nicht um ein
"entweder oder", Kurzzeit- gegen Langzeittherapie, sondern mir geht es darum,
unsere Überzeugungen unter die Lupe zu nehmen, da diese, wie wir gesehen haben, einen
wesentlichen Einfluß auf den Heilungsprozeß haben. Außerdem glaube ich, daß wir uns
mit dem Therapieziel strukturelle Änderung selber unter Druck setzen, denn
wenigstens wir müßten nach so langen Jahren der Analyse ja wandelnde Beispiele für
diese tiefgreifenden und positiven Veränderungen sein.
Die Abgrenzungen gegenüber anderen Therapieformen mögen
für die eigene Identität gut und wichtig sein, auch auf der berufspolitischen Ebene kann
ich die Argumentation nachvollziehen, aber innerhalb unserer Seminare, unserer workshops
und Tagungen, überall da, wo wir unsere Praxis reflektieren und weiterentwickeln, halte
ich diese Abgrenzungen für schädlich.
Abgrenzungen beinhalten Denkverbote, sie machen starr,
ängstlich und sind wenig kreativitätsfördernd. Sie isolieren uns. Wir können aber die
anstehenden Probleme, die neuen Herausforderungen nicht in einer selbstgenügsamen
Isolation lösen. Wir brauchen eine Vernetzung, eine Verbindung mit den Erfahrungen der
anderen Therapieformen und eine Verbindung zur wissenschaftlichen Arbeit an den
Universitäten. Wir brauchen die Weiterentwicklung.
Von Ostereiern, die wir zuerst verstecken und dann
wiederfinden
Einen anderen Zugang zu dem Zusammenhang von
Therapieverlauf und Einstellung habe ich erhalten bei der Lektüre von "Die frühe
Kindheit" von Martin Dornes. In dem Kapitel über Aggression geht Dornes der Frage
nach, inwieweit Eltern durch die Interpretation zweideutiger Handlungen ihrer Kinder diese
aggressivieren, und zwar indem sie deren assertives, sich selbstbehauptendes Handeln
aggressiv deuten, d.h. sich dadurch angegriffen, bedroht/zurückgewiesen fühlen und
deshalb ihrerseits aggressiv reagieren, wodurch sie die Selbstbehauptungstendenzen der
Kinder mit Aggression kontaminieren.
"Je größer die Neigung der Eltern ist, eine
assertive oder zweideutige Handlung des Kindes als aggresiv zu interpretieren, desto
wahrscheinlicher ist es, daß das Kind sich aggressiv entwickeln wird. Einmal weil die
Eltern seine Selbstbehauptung häufiger einschränken werden, denn sie mißverstehen sie
als Aggression; zum zweiten, weil sie das oft mit aggressiven Mitteln tun, so daß sie
selbst Rollenvorbilder für aggressives Handeln des Kindes werden. Möglicherweise gilt
ähnliches für die therapeutische Situation. Im Grunde kann man mit der
"Deutung" von Aggression nie falsch liegen...Interpretiert man eine nicht
aggressiv gemeinte Handlung oder Äußerung eines Patienten als aggressiv oder Aggression
verbergend, so wird er sich mißverstanden und verletzt fühlen, und deshalb mit
Aggression reagieren, was dann als Beleg für die Richtigkeit der Deutung (miß)verstanden
wird. Aggressionstriebtheorien, welche die kognitive Matrix einer solchen
Zuschreibungsneigung sein können, befördern so die Entstehung von Aggression, die sie
dann als allgegenwärtig diagnostizieren. Wer der Meinung ist, der Mensch sei von Natur
aus aggressiv, wird eine größere Bereitschaft mitbringen, auch zweideutige Handlungen im
Sinne dieses Weltbildes zu interpretieren. So betrachtet sind Theorien, die Assertion und
Aggression trennen, auch therapeutisch und erzieherisch im Sinne einer
Aggressionsprophylaxe wirksam."(Dornes 97, S.256)
Inwieweit filtern also unsere Vorannahmen/Theorien das, was
wir in der Interaktion mit dem Patienten wahrnehmen und deuten? Und wie wiederum
beeinflußt diese Einstellung den Heilungsprozeß. Ist das was Dornes für Aggression
ausführt auch auf den Bereich Pathologie/schwer gestört/ Ressourcenorientierung
übertragbar? Analytikern wird ja des öfteren von außen vorgeworfen, daß sie mit ihrer
Fixierung auf die Pathologie diese verfestigen anstatt sie aufzulösen. Macht es also
einen Unterschied für den therapeutischen Verlauf, ob ich den gemeinsamen Fokus mit dem
Patienten auf seine Defizite richte, oder ob ich mit ihm seine Entwicklungspotentiale,
seine Bewältigungsmöglichkeiten, seine Stärken beleuchte und mich mit ihm zusammen
frage, inwieweit er diese bei den anstehenden Problemen nutzen kann? Verändert diese
Sichtweise meine Beziehung zum Patienten? Vielleicht sogar meine Beziehung zu meiner
Arbeit?
Hierzu fand ich Sterns Ausführungen zu den positiven
Verzerrungen der Eltern ihrem Baby gegenüber hilfreich. "Die meisten Eltern
entwickeln eine ganze Reihe positiver Verzerrungen über ihr Baby. Eltern machen Spaß,
wenn sie sagen, daß ihr Baby das schönste, faszinierendste, bezaubernste,
liebenswerteste Baby der Welt sei, emotional aber erleben sie diese Verzerrungen als
machtvolle subjektive Realität. ...
Ein weiteres aufschlußreiches Beispiel für positive
Verzerrungen ist die Tendenz der Mutter, im proximalen Entwicklungsbereich des Kindes zu
agieren(Wygotski 1962). Intuitiv lehren Mütter ihr Kind, auf einer Ebene zu sprechen oder
sich zu verhalten, die immer gerade ein Stückchen weiterentwickelt ist als die reale
augenblickliche Ebene des Kindes, aber nicht zu weit von dieser entfernt. Das Kind wird
auf diese Weise gewissermaßen vorangezogen. Um dies zu tun, muß die Mutter sich so
verhalten, als könne das Baby etwas tun, das im Augenblick noch eine Überforderung
darstellt, bald aber im Rahmen seiner Möglichkeiten liegen wird. In diesem Moment
interagiert sie mit dem zukünftigen Baby: sie arbeitet im Rahmen einer optimistischen,
zukunftsorientierten Konstruktion."(Stern 1998, S.47f)
Auf den Therapieprozeß übertragen hieße das, daß wir
mit unseren Patienten zusammen in der Phantasie einen zukünftigen Raum entwerfen, in dem
seine Ziele, seine Entwicklungspotentiale, seine kleinen und großen Schritte enthalten
sind. Diese gemeinsame Imagination, die vor allem die Ressourcen des Patienten, seine
Fähigkeiten und Stärken in Hinblick auf die Bewältigung der anstehenden
Entwicklungschritte mobilisiert, könnte dann zu einer machtvollen inneren und äußeren
Realität werden.
Zum Schluß möchte ich noch einmal aus dem Vortrag von
Manfred Pohlen zitieren, weil er meines Erachtens diesen Prozeß sehr eindrücklich
beschreibt, und damit für mich den Bogen zum Anfang schlägt, zu den Lehrgeschichten des
Jesus von Nazareth:
"Die Güte des Therapeuten und seiner
Beziehungsgestaltung mit dem Patienten lebt aus seiner antizipatorischen Kompetenz, sich
dem System des Patienten einzupassen und das Passende für ihn aufzufinden. Daran muß
sich, in Ausübung dieser imaginativen Fähigkeit, sein Wahrnehmen und Handeln
orientieren. Die besonderen Bedingungen für die Herstellung eines wirksamen Prozesses
liegen beim
Therapeuten in der Wahrnehmungsfokussierung auf die entwicklungsförderlichen Potenzen des
Patienten...; sie liegen im Phantasievermögen des Therapeuten, mit dem Patienten eine
produktive Umbewertung seiner Leidens-und Lebensbewertung zu erreichen..; sie liegt in der
Achtung und Anerkennung des Therapeuten gegenüber den vom Patienten entwickelten
Schutzstrategien, seiner Symptome, in der Bejahung der Person als Voraussetzung von
Gegenseitigkeit statt der Verweigerung von Gegenseitigkeit."(Pohlen 1999, S.75)
Eine Gegenseitigkeit, so möchte ich hier ergänzen, die
von Stärken und Schwächen auf beiden Seiten ausgehen kann, und somit auch dem
Therapeuten eine menschliche Haltung zugesteht.
In Arte lief voriges Jahr ein faszinierender Film über
Leben und Werk von Sigmund Freud. Auffallend war für mich, seine Neugierde, seine
Entdeckerfreude, die Lust und der Mut, Neuland zu betreten, und die innere Freiheit, neue
Denkdimensionen zu schaffen. Freud hat seine revolutionären Theorien im ausgehenden
19.Jahrhundert entwickelt an der Schwelle zum 20.. Wir selber stehen heute an einer
neuen Wende. Zwischenzeitlich sind neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die komplexe
menschliche Psyche, neue Möglichkeiten über soziale Prozesse nachzudenken entwickelt
worden, wir sind aber auch mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Ich wünsche uns
allen etwas von dieser Entdeckerfreude. Ich glaube, wir können sie gut gebrauchen.
Literatur
Die Bibel
Basch, M.(1997): Die Kurzzeittherapie. München: Pfeiffer
Dornes, M. (1997): Die frühe Kindheit, Frankfurt am Main:
Fischer
Dtv-Brockhaus-Lexikon(1982): Band 8, Wiesbaden
Frank, J.D.(1997): Die Heiler.Stuttgart: Klett Cotta
Grawe, K./Grawe-Gerber, M.(1999): Ressourcenaktivierung.
Ein primäres Wirkprinzip in der Psychotherapie. In: Psychotherapeut 2/99
Kächele, H.(1992): Psychoanalytische Therapieforschung.
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Kächele, H./Thomä, H.(1996): Lehrbuch der
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Kutter, P. (1988): Vorwort. In: Kutter, P.(Hg.): Die
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Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie 3/1994
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Frankfurt am Main: Fischer
Pohlen, M.(1999): Psychotherapie als Wissenschaft? In:
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Stern, D.(1998): Die Mutterschaftskonstellation, Stuttgart:
Klett Cotta
Wallerstein,R.S.(1990): Psychoanalyse und Psychotherapie.
In: Psyche 11/90
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