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des DPI 08|01|06 |
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Fachtexte zur
Entwicklung von
Psychotherapie in Theorie und Praxis
Da
geh ich nicht mehr hin!
Regina Konrad
Eine 14Jährige
weigert sich, zur Schule zu gehen
Aus dem Therapieverlauf
Once upon in America
Es war einmal in Amerika
Den achtjährigen Thomas Alva Edison nannte der Lehrer vor der ganzen
Klasse einen Hohlkopf. Thomas lief daraufhin nach Hause und erklärte
seiner Mutter, dass er nie wieder in die Schule zurückkehren werde, was
er auch nicht tat. Dafür baute er im Keller des elterlichen Hauses
Experimente aus der „Schule der Naturphilosophie“ nach und wurde einer
der genialsten Erfinder der Welt.
Später sagte er: „Ich kann mich erinnern, dass ich in der Schule nie
zurechtkam. Ich war immer der Letzte in der Klasse. Ich hatte das
Gefühl, dass mein Lehrer mich nicht mochte und dass mein Vater meinte,
ich sei dumm“ (Prause 1998, 245).
Ganz im Gegensatz zu seiner Mutter. „Meine Mutter hat mich zu dem
gemacht, was ich bin. Sie verstand mich, sie ließ mich meinen Neigungen
nachgehen“ (Prause 1998, 246). Sie vermittelte ihm die Liebe zum Lernen
und zum Lesen.
Eines von vielen Beispielen aus Prauses Buch „Genies in der Schule“.
Recherchiert habe er die Schulkarriere von unterschiedlich
Erfolgreichen, so er selber, eigentlich, um die These zu widerlegen,
dass alle Genies schlecht in der Schule waren. Alle, so kann man
nach der Lektüre sagen, nicht, aber sehr, sehr viele, wie
Churchill, Shaw, Kafka, Rilke, Thomas und Heinrich Mann, Gide, Musil, um
nur einige zu nennen. Prause bringt eindrückliche Zeugnisse davon, dass
Kreativität und spezielle Begabungen in der Schule wenig gewürdigt
werden, dass gerade die Kreativsten und Sensibelsten – sehr eindrücklich
Hesses autobiografische Schilderung “Unterm Rad“ (1988)- in der Schule –
immer noch – „unter die Räder“ geraten.
Die Beispiele in diesem Buch zeigen nicht minder eindrücklich, dass
Lernen und Emotion zusammenhängen, dass die Liebe zum Lernen zu vielen
Kindern und Jugendlichen in der Schule ausgetrieben wurde und wird.
In Berlin
Seit Januar 2001 melden immer mehr besorgte Eltern ihre Söhne und
Töchter in meiner Praxis an, weil diese sich weigern, weiterhin zur
Schule zu gehen. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Sie haben aber auch
etwas mit Missachtung und Demütigung zu tun, mit einer Umgebung, die
anscheinend für immer mehr Kinder und Jugendliche das Lernen erschwert
und nicht befördert.
Im August 2003 hat die Senatsverwaltung
eine Broschüre über Schuldistanz
herausgegeben, in der sie Zahlen zum Fernbleiben vom Unterricht
veröffentlicht, und sich mit den Gründen und Ursachen für eine
zunehmende, in Zahlen ablesbare Schulunlust beschäftigt.
Darin werden die Risikofaktoren gesehen
-
im
sozialen Umfeld und in der Familie
-
in der
Persönlichkeitsstruktur des Jugendlichen
-
in der
Jugendkultur/Clique
-
in der Gesellschaft
-
in der Institution
Schule.
Im zweiten Schulhalbjahr 2001/2002 fehlten nach dieser Studie in Berlin
10 751 Schüler/innen 21 bis 40 Tage, wobei der Schwerpunkt bei der
Hauptschule lag: 18,5 % der Schüler/innen, d.h. fast jede 5., fehlten
mehr als 20 Tage. Der höchste Wert der Fehlzeiten lag in der
Klassenstufe 7 und 8., einer Klassenstufe, in der beginnende Pubertät
und Schul- und Bezugspersonenwechsel zusammenkommen (Senatsverwaltung
2003, 8f.).
Am Beispiel einer aufgeweckten und intelligenten 14-Jährigen möchte ich
mich mit den Hintergründen auseinandersetzen, die bei diesem jungen
Mädchen dazu geführt haben, dass sie nicht mehr zur Schule gehen
wollte/konnte. Ich möchte Sequenzen aus der therapeutischen Arbeit
darstellen, den Prozess meiner Arbeit mit dieser Jugendlichen
transparent machen, aber auch die Grenzen dieser Arbeit aufzeigen, die
eben „nur“ psychodynamische und familiendynamische Aspekte bearbeiten
kann, das gesellschaftliche Umfeld als gegeben voraussetzen muss.
Eine Frage sollte wie ein roter Faden durch diese Falldarstellung
mitlaufen: Welche schulischen oder außerschulischen Angebote brauchen
Kinder wie Sara, damit durch familiäre Krisen ausgelöste
Leistungseinbrüche nicht zu einem Ausschluss aus der Bildungsstufe
führen, die sie von ihrer Intelligenz her bewältigen könnten? (vgl.
dazu die Vorschläge von Boeckmann 2003). Oder anders ausgedrückt:
Ist es sinnvoll, eine Jugendliche von der Gesamtschule zur Realschule
zur Hauptschule „durchzureichen“ und erst wenn sie dort scheitert, erste
Förder- und Auffangmaßmaßnahmen zu ergreifen? Wäre es nicht sinnvoller,
Einrichtungen wie Schulstationen in jeder Schulform – also auch im
Gymnasium und in der Realschule - einzurichten?
Sara
Die Vorgespräche
Saras Vater meldet sich telefonisch bei mir. Er suche dringend einen
Therapieplatz für seine fast 14jährige Tochter. Er habe sie morgens, als
er sie zur Schule wecken wollte, aufrecht sitzend im Bett vorgefunden
mit einem Messer in der Hand. Sie höre Stimmen, habe sie gesagt, sie
wolle sich umzubringen. Ich lasse mir die Tochter geben und mache mit
ihr einen Termin aus, bin eher neugierig als beunruhigt.
Zum ersten Termin kommt Sara gemeinsam mit dem Vater.
Sie ist ein relativ großes, leicht übergewichtiges Mädchen mit strahlend
blauen Augen und langen dunkelblonden Haaren. Sie ist auf ihre Weise
hübsch, hat viel Ausstrahlung. Sie wirkt einerseits verloren auf mich,
auch traurig, hat aber auch etwas Vitales, Fröhliches. Dabei ist sie
reflektiert, und es gelingt mir schnell, zu ihr Kontakt aufzubauen.
Nachdem ein paar versicherungstechnische Fragen geklärt sind, und ich
einen Termin mit ihm ausgemacht habe, geht der Vater mit Saras
Zustimmung.
Sie könne mit niemanden reden, sagt sie mir auf meine Frage, was sie zu
mir führe. Ihre sieben Jahre ältere Schwester sei zurzeit in Spanien.
Sie habe drei wesentlich ältere Brüder, die schon von zuhause ausgezogen
seien. Mit dem um zwei Jahre älteren Bruder würde sie jetzt zusammen
beim Vater leben. Er würde allerdings dauernd kiffen und nur mit seinen
Freunden rumhängen. Sie sei eigentlich schon immer ganz alleine gewesen.
Die Schwester sei mit dem Bruder zusammen gewesen. „Ich hatte keinen.“
In der Schule sei sie immer gut gewesen, hatte in der Grundschule eine
beste Freundin. Bis vor einem halben Jahr habe sie bei der Mutter
gewohnt, sei dann zum Vater gezogen. Die Eltern hätten sich getrennt,
als sie acht Jahre alt war. Auch vorher habe es immer ein Hin und Her
gegeben. Mal hatte die Mutter einen Freund, dann der Vater eine
Freundin. Mal hätten sie mit dem Vater gelebt, mal mit der Mutter. Als
die Eltern sich getrennt hätten, wollte sie mit dem Vater gehen, musste
aber bei der Mutter bleiben. Der Vater sei Heilpraktiker, arbeite in
einer Klinik im Berliner Umland und habe eine private Praxis in Berlin,
die Mutter sei Sekretärin. Der neue Freund der Mutter sei ein Berliner
Prolet, mit dem habe sie sich dauernd gestritten. Der habe sie
geschlagen, und die Mutter habe nichts gemacht. „Die Mutter hat was
gegen mich, als wenn sie mich hassen würde. Ich kann sie auch nicht
leiden. Alles ist so oberflächlich, so falsch bei ihr. So kommt es mir
jedenfalls vor.“
Ich frage sie, was sie gerne macht und was sie gut kann.
„Ich lache viel in der Schule, bin lustig. Ich kann gut Kopfrechnen. Ich
lese gern, am liebsten Steven King, gruselige, aber auch traurige
Sachen. Ich mag den Rapper Eminem, überhaupt Hiphop. Da kann ich gut
abtanzen.“ Die ältere Schwester käme in einem Monat wieder nach Berlin.
Mit der habe sie sich gut verstanden. Sie chatte viel, am liebsten würde
sie mit 30-, 40-Jährigen über Probleme reden, mit Gleichaltrigen käme
sie nicht gut aus.
Ich frage sie nach der Schule.
Sie gehe seit Wochen nicht mehr zur Schule. Die Situation in der Klasse
sei für sie unerträglich. Eine Clique von Mädchen, darunter ihre ehemals
beste Freundin, sei gemein zu ihr. „Ach, lässt Du Dich auch mal wieder
blicken“, hätten sie gesagt, als sie nach längerer Fehlzeit wieder zur
Schule kam. Einige Lehrer könnten sie nicht leiden. Außerdem seien alle
Geschwister auf der Schule gewesen und sie würde immer mit ihnen
verglichen. In Deutsch, Kunst, Musik sei sie ganz gut, in Französisch
sei der Lehrer doof, Bio mache sie gern. Der Mathe- und Chemielehrer sei
schwul; er könne Mädchen nicht leiden, gucke sie immer so von oben herab
an. Er habe gesagt: „Wenn Ihr das nicht kapiert, dann gehört Ihr nicht
hierher.“
Sie habe in letzter Zeit viel mit ihrer Freundin gestritten. Die sei so
dominant, wolle sie bestimmen. Die Freundin wohne bei der Mutter um die
Ecke und verpetze sie immer bei der Mutter. Mit einem anderen Mädchen in
der Klasse verstände sie sich gut, mit der könne sie gut lachen und
reden.
Der Vater sei dreimal die Woche fast gar nicht zu Hause. Er fahre
morgens ganz früh schon in die Klinik und käme abends sehr spät zurück.
Er habe eine neue Freundin, die habe 3 Kinder. Sie lebe im Berliner
Umland und jedes zweite Wochenende führe der Vater zu ihr. Der Vater
wolle zu dieser Frau ziehen. Sie wolle aber nicht mitziehen, wolle in
Berlin bei ihren Geschwistern bleiben. Sie habe das Gefühl, ihm im Wege
zu stehen.
Die Mutter habe die Geschwister gegen sie aufgehetzt, vor allem ihren
Lieblingsbruder. Jedes zweite Wochenende müsste sie eigentlich zu ihr,
wolle aber nicht da hin. Ihr Lieblingsbruder sei verheiratet und habe
ein kleines Kind. Seine Frau sei so ähnlich wie ihre Mutter und
verstünde sich auch gut mir ihr. Sie könnte gar nicht verstehen, was
sie, Sara, gegen die Mutter habe. Es gebe eine Art Spaltung in der
Familie. Die Kinder, die zum Vater hielten, und die Kinder, die zur
Mutter hielten. Man könne nicht die Mutter hassen und weiterhin guten
Kontakt zum Lieblingsbruder halten. Entweder – Oder. Dazwischen gäbe es
nichts.
Ich bin nach diesen ersten Sitzungen berührt von ihrer Einsamkeit und
ihrer Verzweiflung, aber auch beeindruckt von ihrer Stärke und ihrer
Reflektionsfähigkeit.
Erste Überlegungen
Sie hat keinen Ort, an dem sie sich wohl und geborgen fühlt, denke ich
mir nach diesen ersten Sitzungen. Beide Eltern wollen endlich ihr
eigenes Leben leben, sie machen sich auf zu neuen Ufern, Sara stört
dabei, und das spürt sie. Sara flieht aus der Enge und Starrheit des als
dominant und feindselig erlebten mütterlichen Raumes, in dem ihre
Eigenständigkeit nicht zugelassen werden kann, zu dem als großzügig
erlebten Vater, von dem sie sich mehr Freiheit verspricht, und landet
nun in einem Raum ohne Orientierung und Struktur, ohne Halt. Sie ist,
und das vergisst man schnell bei ihrer Sprachgewandtheit und
Reflektionsfähigkeit, gerade 14 Jahre alt geworden und durch den
Freiraum, den der Vater ihr lässt, ja sogar von ihr einfordert,
überfordert. Sie braucht Eigenständigkeit und Fürsorge, vor allem
Struktur und Sich- reiben- Können, und ist enttäuscht, dass der Vater
sich entzieht, nicht für sie da ist. Der Vater, den ich als einen
weichen und nachgiebigen, dabei selbstunsicheren Mann erlebe, kann ihr
wenig Grenzen setzen. Er selber erscheint zu Beginn der Therapie in
einer Kindposition, unterwürfig, verstrickt in seine eigene
Lebensgeschichte mit vielen Brüchen und Traumatisierungen, immer Opfer
dominanter Frauen, die für ihn gehandelt haben, und interagiert aus
dieser Position mit seiner Tochter, die er als ähnlich dominant erlebt
wie ihre Mutter. Im Grunde hat er Angst vor ihr. Er dämonisiert sie,
sieht in ihr das Verrückte der Familie der Mutter verkörpert und würde
sie am liebsten in die Psychiatrie einweisen lassen. Seine
Lebensgefährtin beschreibt er als warmherzig und empathisch. Sie könne
sehr gut mit Sara reden, und er verstehe gar nicht, warum Sara sich
gegen sie so verschließen würde. Da sie selber drei zum Teil noch kleine
Kinder habe, arbeite sie nur halbtags und könne sich gut um Sara
kümmern. Sie könne eigentlich alles, was Sara fehle, zur Verfügung
stellen.
Sara kann und will aber offensichtlich von dieser neuen Freundin nicht
profitieren. Sie will den Vater endlich für sich allein haben, will ihn
mit niemandem teilen, schon gar nicht mit drei neuen Geschwistern. Sie
muss sehr heftig agieren, um ihn zu erreichen, um ihren Willen gegen ihn
durchzusetzen. Dadurch erscheint sie zunächst sehr gefährdet. Immer
wieder reagiert sie auf das als Zurückweisung erlebte Verhalten des
Vaters mit heftigen Aktionen. Mehrere Male läuft sie weg, streunt am
Bahnhof Zoo, sucht Gleichgesinnte, Gleichgeschädigte. Einmal läuft sie
weg und schreibt einen Abschiedsbrief, kann von ihrer Schwester wieder
„eingefangen“ werden, einmal trinkt sie in ihrer Wut und Verzweiflung
Nagellackentferner mit Orangensaft. Sie demonstriert ihrem Vater
eindrücklich, wie schlecht es ihr mit ihm geht, wie vernachlässigt sie
sich von ihm fühlt. Der Vater wiederum verweigert sich ihr trotzig, er
überfrachtet sie mit seinen eigenen inneren Bildern, mit seinen
Phantasien, mit seinen Zuschreibungen, kann das bedürftige Kind in ihr
nicht sehen. Das bedürftige Kind macht ihm Angst und überfordert ihn, da
er sich selber als bedürftig erlebt, selber Wärme und Geborgenheit, ein
Nest sucht. Sie verlange von ihm, dass er seine Bedürfnisse hinten an
stelle, dass er sich für sie opfere, sagt er mir in einem der vielen
Beratungsgespräche, die ich mit ihm führe und in denen ich seinen Teil
an der negativen Dynamik mit ihm bearbeite, in denen ich ihn in seiner
Vaterfunktion bestärke.
Vater und Tochter kämpfen heimlich miteinander um die bedürftige
Position, heimlich, weil sie ihre Bedürftigkeit, die sie als ein
beschämendes Angewiesensein erleben, nicht zeigen dürfen. Sie haben
beide Angst als Bedürftige zurückgewiesen zu werden, verhöhnt und
ausgelacht, und tun sich beide schwer, Wünsche zu äußern, zu sagen, was
sie voneinander wollen. Sie reagieren beide enttäuscht, wenn der andere
ihre Wünsche und Bedürfnisse nicht intuitiv erkennt und sich danach
verhält. So ist eine Dynamik zwischen ihnen entstanden, in der beide dem
anderen den Willen indirekt durch Handeln aufzwingen wollen. Sara, indem
sie immer heftiger agiert, der Vater, indem er sich immer mehr entzieht,
starke Frauen einbindet, zwischen sich und die Tochter schiebt. Sie
sagt: „Er ist gar nicht an mir interessiert. Er interessiert sich nur
dafür, dass ich zur Schule gehe, dass ich funktioniere.“ Er sagt: „Sie
will, dass ich nur für sie da bin. Das geht nicht. Ich muss arbeiten
gehen. Ich kann sie nicht rundum versorgen. An meinen freien Tagen geht
sie zur Schule, wenn ich mit ihr Hausaufgaben gemacht habe, geht sie
auch. Sie will mich zwingen, für sie da zu sein.“ Beide meinen also,
sich voreinander schützen zu müssen, meinen, dass der andere das, was
sie brauchen, ihnen nicht geben will.
Sara fühlt sich durch das Verhalten des Vaters erneut im Stich gelassen.
Sie hat das Gefühl: „Keiner ist für mich da. Keiner sieht mich, sieht,
wie es mir geht, wie verzweifelt ich bin. Ich bin ganz allein. Keiner
liebt mich. Ich bin es nicht wert, geliebt zu werden. Ich bin nicht
liebenswert.“ Ein tiefes Gefühl innerer Einsamkeit. Ich werde als die,
die ich bin, nicht gesehen, nicht anerkannt, nicht verstanden. Die
Unfähigkeit der Eltern, sie als Person zu sehen und anzuerkennen, nimmt
sie als Aussage über ihre Person. Ich bin eine, die man nicht lieben
kann. Mit diesem Gefühl geht sie ins Leben, durch das Leben. Das ist
ihre Folie, auf der sie das Verhalten der Anderen beurteilt. Auch in der
Schule legt sie jedes Wort auf die Waagschale. Jedes Verhalten der
Lehrer, jeden Blick der Mitschüler sieht sie als schmerzlichen,
verletzenden Beweis dafür, dass sie mangelhaft, nicht liebenswert ist,
dass sie nicht dazu gehört. Sie hat große Angst vor Kritik,
Zurechtweisungen und Ermahnungen durch die Lehrer, erlebt sie als
Demütigung. Sie hat das Gefühl, schlechter als die Geschwister,
schlechter als die Mitschüler zu sein, die sie allesamt für
privilegierter hält. „Alle Geschwister haben die Schule geschafft, nur
ich nicht.“ Und: „Alle haben eine Familie, ich aber nicht. “ Dieses
Gefühl, ein Mangelwesen zu sein und allein zu stehen, ist für sie so
unerträglich, dass sie Situationen, in denen diese Gefühle hervorgerufen
werden könnten, meiden muss.
Sie geht nicht mehr zur Schule, weil sie das Gefühl der Einsamkeit und
das Gefühl, unzureichend zu sein, nicht mehr erträgt. Sie meidet
Situationen, in denen diese Gefühle mobilisiert werden können.
Vermeidung ist eine Form der Bewältigung.
Ein weiterer Versuch, ihre schmerzlichen Gefühle der Unzulänglichkeit in
Griff zu bekommen, ist ihr Suchtmittelmissbrauch und ihre Internetsucht.
Sie weicht in eine andere Welt aus, in der sie erfolgreich sein kann, in
der sie jemand anders sein kann, in der sie nicht einsam ist. Sie
driftet immer mehr in diese Scheinwelt ab. In dieser Zeit stopft sie
sich regelrecht voll mit Spielen, mit übermäßigen Essen, versucht ihre
innere Leere aufzufüllen, kann sich selber für diese „orale Gier“, für
diese „Haltlosigkeit“ nicht leiden. Auch sie mag dieses gefräßige,
kleine, bedürftige Kind, das sich immer wieder gegen ihre guten Vorsätze
durchsetzt, nicht leiden. Sie erlebt den Triumph dieses Mangelwesens als
Niederlage, als Angriff auf ihre Selbstachtung. Ihr selbstverletzendes
Verhalten ist zum einen ein Versuch der Regulation ihrer unerträglichen
Gefühle, zum anderen eine Demonstration für den Vater, aber auch ein
Versuch diese ungeliebten Teile loszuwerden, abzutöten. Sie will nicht
mehr kämpfen und leiden, sich überflüssig und falsch in dieser Welt
finden, sie will Ruhe finden, will alle Beschränkungen aufheben. Als
Seele, sagt sie, könne sie überall hin fliegen, nach Amerika, zu Eminem,
und es gebe keinen Kummer mehr. Tod als nicht endender Tagtraum. Das
Paradies. Eine gefährliche, gefährdende Phantasie.
Wie kann nun Therapie eingreifen in diese destruktiven inneren Dialoge,
die zu Selbstverletzungen/Selbsttötungen führen können, in die als
verletzend erlebten äußeren Dialoge und Interaktionen mit dem Vater, mit
der Mutter, mit der Freundin, mit den Geschwistern? Worin bestehen die
Wirkfaktoren einer Therapie?
Kächele (1992, 273) zitiert aus der psychoanalytischen Therapieforschung
acht kurative Faktoren:
1. Die Erfahrung einer hilfreichen Beziehung. 2. Die Fähigkeit des
Therapeuten zu verstehen und zu antworten. 3. Die Vermehrung der
Einsicht des Patienten. 4. Die Abnahme der zentralen
Beziehungskonflikte. 5. Die Fähigkeit des Patienten, seine
Behandlungsgewinne zu internalisieren. 6. Des Patienten Erwerb einer
größeren Toleranz für Gedanken und Gefühle. 7. Die Motivation, sich zu
verändern. 8. Die Fähigkeit des Therapeuten, eine Technik anzubieten,
die klar, vernünftig und vermutlich wirksam ist.
Worin besteht nun eine hilfreiche therapeutische Beziehung? Zum einen in
der Haltung der Therapeutin zu verstehen, gemeinsam mit der Patientin
herauszufinden, welcher verborgene Sinn in ihren Symptomen, in ihren
Lösungsversuchen, ihren selbstschädigenden Inszenierungen liegt. Was
möchte sie damit mitteilen und welches konflikthafte Erleben sucht sie
damit zu bewältigen? Was könnten die Ursachen für ihre misslingenden
Interaktionen mit ihrer Umwelt sein? Die verstehende, wohlwollende
Haltung der Therapeutin regt die Patientin an, einen verständnisvolleren
inneren Dialog mit sich selbst zu führen. Eine wohlwollende Haltung
ermöglicht es, dass die Patientin beschämende Situationen mit den damit
verbundenen unerträglichen Gefühlen immer wieder in die Therapie
einbringt, und sie zusammen mit der Therapeutin noch einmal durchlebt,
und dabei andere, adäquatere Formen der Bewältigung und der
Selbststeuerung findet. Die niedermachenden inneren Dialoge, die
negativen Überzeugungen werden durch das Erzählen aus ihrem
Schattendasein gerissen und an das Tageslicht gebracht, betrachtet und
hinterfragt? Ist das so? Bin ich wirklich ein Nichts, kann ich wirklich
„nichts“, gelingt mir „nie“ etwas. Die Ressourcen, die Fähigkeiten der
Patientin, ihre Stärken werden genauso wie ihre Schwierigkeiten
wahrgenommen, anerkannt und gewürdigt. Indem der Patientin immer wieder
gespiegelt wird, was sie kann und was sie gut kann, verändert sich ihr
Selbstbild. Die wohlwollende Haltung der Therapeutin, die Dialoge
zwischen Therapeutin und Patientin werden sukzessive verinnerlicht und
dadurch Teil der inneren Dialoge der Patientin.
Nun ist es aber zunächst so, dass die Patientin Erwartungen an die
Therapeutin hat, Erwartungen, endlich geliebt, verstanden und akzeptiert
zu werden, aber auch die Erwartung, wieder enttäuscht zu werden, die
Erwartung, dass die Therapeutin sie, wenn sie erst einmal entdeckt, wie
- gierig, infantil, unersättlich - die Patientin wirklich ist, sich auch
zurückzieht wie die anderen. Und deshalb, weil sie das erwartet, zieht
die Patientin sich zurück, kommt nicht zu ihrer Sitzung, vor allem wenn
sie etwas getan hat, von dem sie denkt, es könne die Missbilligung der
Therapeutin hervorrufen. Sie zieht sich also auch in der Therapie zurück
aus Angst vor Zurückweisung und Kritik. Aber auch aus Enttäuschung, weil
die Therapeutin für sie nicht immer verfügbar ist, weil auch sie Grenzen
setzt, frustriert. Aber indem die Patientin ihre Beziehung zur
Therapeutin inszeniert, damit Kindheitsmuster in der Therapie
reaktiviert, macht sie diese Muster erlebbar und besprechbar. Sie
fordert die Therapeutin auf, sich zu verhalten, sich anders zu verhalten
und erlebt, wenn alles gut geht, eine andere Antwort auf ihr Verhalten.
Die Therapeutin nun wird in die negativen familialen Muster
hineingezogen. Sie versteht die inneren Konflikte der Patientin, indem
sie sie zum Teil selber durchlebt, sich verstricken lässt und
hoffentlich irgendwie aus diesem Strudel wieder herausfindet und damit
auch andere Bewältigungsmechanismen vorlebt.
Ich möchte diesen vielschichtigen Prozess anhand von zwei Sequenzen aus
der therapeutischen Arbeit deutlich machen.
Der
therapeutische Prozess
Ich
schaff das sowieso nicht!
Nachdem Sara zunächst verschiedene Anläufe auf ihrer alten Schule
gemacht hatte, die immer wieder gescheitert waren, sucht der Vater
zusammen mit ihr eine Realschule in der Nähe für den Schuljahresbeginn
aus, informiert die Schulleiterin über die Schwierigkeiten der Tochter.
Sara macht ein 8wöchiges Praktikum in einer Kindertagesstätte und wird
dort als kompetent und zuverlässig beschrieben, ungewöhnlich reif für
eine 14-Jährige. Sie hat zu den kleinen Kindern ein gutes Verhältnis,
aber auch zu ihren Kolleginnen. Sie wohnt in dieser Zeit in einer
betreuten Wohngemeinschaft, in der sie sich sehr wohl fühlt, zieht dann
aber wieder zum Vater.
Nach den Sommerferien gibt es also einen neuen Anlauf. Der Vater hatte
mir versprochen, sich die erste Woche frei zu nehmen, was er nicht
macht. Der Arbeitgeber habe ihm nicht frei gegeben, entschuldigt er sich
später bei mir. Sara geht die ersten beiden Tage zur Schule, fühlt sich
unwohl. Sie passe da nicht rein, sagt sie mir. Die Mädchen seien so
zickig, die Jungen so kindisch und albern. Am dritten Tag bekommt sie
morgens Bauchschmerzen, muss sich übergeben und bleibt zu Hause.
Nachmittags sprechen wir in der Therapiesitzung über dieses „nicht in
die Schule gehen können“, über ihre Gefühle. Bei welchem Gedanken ihr
denn schlecht geworden wäre, frage ich sie, auch um eine Verbindung von
Gedanken und Gefühlen und körperlichen Reaktionen herzustellen, damit
die körperlichen Reaktionen als zu den Gefühlen zugehörig erlebt werden
können.
„Als ich an Mathe gedacht habe“, sagt sie, „habe ich gedacht, ich
schaffe das sowieso nicht. Ich war so lange nicht mehr in der Schule,
ich habe überhaupt keine Lust auf Schule. Es ist so langweilig. Ich
würde lieber arbeiten gehen, Geld verdienen. Ich will nicht mehr von
meinem blöden Vater abhängig sein, der kümmert sich ja sowieso nicht um
mich. Ich will alleine wohnen.“ Und wenig später, als ich sie frage
welche Vorstellung ihr helfen würde, zur Schule zu gehen: „Ich brauch
jemand, der für mich da ist, jemand, der für mich kocht, der mich fragt,
wie war´s in der Schule.“ Ihr fällt dazu ein: „Als ich acht war, da hab
ich für kurze Zeit bei meinem Vater gewohnt. Da war mein Vater für mich
da, er hat gekocht und sich um mich gekümmert. Die Zeit hab ich als sehr
schön in Erinnerung. Jetzt hab ich aber das Gefühl, ich bin meinem Vater
im Weg. Ich bin ihm lästig. Er macht mir Vorwürfe: Wegen Dir kann ich
nicht schlafen. Er ist genervt von mir. Am Morgen, als ich mich
übergeben habe, hat er Stress gemacht. Er hat angerufen und gesagt, ich
soll da jetzt hingehen. Dabei habe ich mir selber schon genug Stress
gemacht.“ Sie beschreibt mir den inneren Dialog, den sie am Morgen mit
sich geführt hat und den sie als erniedrigend erlebt hat, weil die
Nein-Stimme gewonnen habe: Komm, geh hin, habe die eine Stimme gesagt.
Nein, ich will nicht, die andere. Komm, geh hin. Ich muss, habe sie sich
gesagt. Ich will meinen Abschluss machen. Das hat doch eh keinen Sinn,
hat die andere Stimme gesagt. Es war ein Hin und Her und dann war ihr
sowieso so schlecht und sie musste sich übergeben und habe gedacht,
jetzt brauchst du da auch nicht hin, wenn dir so schlecht ist. Es gibt
ein Bild, das mag sie erst nicht sagen: Gott hat uns auf die Welt
gesetzt, damit er was zu lachen hat. Wir sind sein Fernsehen. Sie habe
die ganze Zeit Hass auf die Eltern. „Die haben uns falsch erzogen. Sie
waren keine Vorbilder.“
Sara beschreibt hier eindringlich ihren Autonomiekonflikt, ihre Wünsche
nach Versorgtwerden, nach Schutz und Geborgenheit und die
Enttäuschungswut darüber, so allein gelassen zu werden. Ihren Wunsch,
unabhängig von den sie enttäuschenden Eltern zu sein, und ihre
Abhängigkeit von ihnen, ihre beschämende Angewiesenheit. Sie spürt, dass
ihre Schwierigkeiten in der Schule etwas mit ihrer „schlechten
Grundausstattung“ zu tun haben, damit, dass sie keine ausreichende Basis
hat, um vertrauensvoll ins Leben zu gehen. Gott, der sich über sie
lustig macht, steht auch für ihre eigene innere Stimme, die sie
begleitet und bekrittelt, sie niedermacht, ihr gnadenlos aufzeigt, wann
sie gegen ihre eigenen hohen Ansprüche verstößt, wann sie sich peinlich
verhält, eine innere Stimme, der sie nicht entweichen kann. Am Ende der
Sitzung gehe ich mit ihr durch die Fächer, die sie bisher in der Schule
hatte, und wie sie sich in jedem einzelnen Fach gefühlt hat, damit nicht
nur die schlechten Erlebnisse in ihr überrepräsentiert werden. Englisch
mag ich, sagt sie. Sie habe einen Text sehr gut vorgelesen, das sei ein
Erfolgserlebnis gewesen. Mathe war komisch. Sie habe mit dem Vater
Hausaufgaben gemacht. Da habe sie alles verstanden. Aber in der Klasse
habe sie das Gefühl: Ich bin ein Versager. Sie sage sich: Toll, jetzt
kannst du das schon wieder nicht. Und: Alle müssen dich doch für blöd
halten. Was wohl das Gegenteil von dem Gedanken wär? frage ich sie. „Ich
schaff das schon. Ich kann die Aufgabe lösen.“ Ob sie schon einmal in
einer schwierigen Situation war und dachte, ich schaff das nicht und sie
hat die Situation dann doch geschafft? „Als ich mich einmal im Urlaub
verlaufen hatte und dann nach Hause gefunden habe.“ Das ist für sie ein
sehr schönes Bild.
Ich geh
da nicht mehr hin!
Zur nächsten Sitzung kommt sie resigniert und enttäuscht, aber auch
erleichtert. Sie sei wegen einer Darmentzündung krank geschrieben, sie
habe morgens blutigen Durchfall gehabt. Sie habe sich entschieden: Ich
geh da nicht mehr hin. Ich habe Angst, sagt sie, mich vor anderen zu
blamieren. Wir finden zusammen heraus, wie schwer es ihr fällt, sich auf
den Lernprozess einzulassen. Das sei ja ein Eingeständnis, dass sie
etwas nicht wisse. Dass der andere mehr wisse. Der könne dann auf sie
herabsehen, sagt sie. Sie müsse immer alles schon wissen. Sie dürfe
keine Fehler machen. In Mathe sei sie von der Lehrerin vor der ganzen
Klasse beschämt worden. Die Lehrerin habe sie an die Tafel gerufen und
habe allen demonstriert, dass sie, Sara, die Aufgabe nicht beherrsche,
weil sie gefehlt habe. „Ich musste sagen, ich versteh das nicht.“ Sie
sei vor der ganzen Klasse gedemütigt worden. „Alle denken jetzt, ich bin
doof.“ Sie ertrage die Vorstellung nicht, dort wieder hin zu gehen. An
einen Ort, an dem sie sich so blamiert habe.
Zunächst bin ich wütend über diese Lehrerin, über diese Schule, die ein
halbes Jahr Arbeit und Vorbereitung innerhalb von drei Tagen zunichte
macht. Über den Vater, der nicht an ihrer Seite stand, der sich hinter
der Arbeit versteckte. Diese zwei Sitzungen pro Woche erscheinen mir
angesichts der äußeren Widrigkeiten wie ein Tropfen auf den heißen Stein
und ich erlebe mich wie Don Quijote auf klapprigem Pferd, der mit einer
Lanze in der Hand gegen Windmühlenflügel kämpft. Wie kann ich Sara in
diesen wenigen Sitzungen fit machen, frage ich mich, diesen als so
demütigend und erniedrigend erlebten Kampf zu bestehen? Mir wird immer
klarer, dass ich eine Unterstützung außerhalb der Therapie brauche, und
ich verhandele mit dem für Sara zuständigen Sozialarbeiter über ein
geeignetes Projekt für sie, in dem sie auf mehr Verständnis im Umgang
mit emotional gestörten Kindern, aber auch auf mehr Erfahrung hoffen
kann. Gleichzeitig zu den regelmäßigen Sitzungen mit dem Vater, in denen
ich mit ihm an seinem Teil der Dynamik arbeite, habe ich sporadische
Sitzungen mit der Mutter und mit den Geschwistern, damit die Familie
ihre Kräfte koordiniert, damit sie zusammen- und nicht gegeneinander
arbeitet. Ich mache ihnen deutlich, dass Sara die Unterstützung aller
braucht.
Die Mutter
Während die Gespräche mit dem Vater regelmäßig neben den Sitzungen mit
Sara stattfinden, der Vater mehr und mehr zu einer integrativen Kraft
wird, der Sara immer wieder zu mir zurückbringt, wenn sie „wegläuft“,
die Auseinandersetzung mit mir angstvoll meidet, erlebe ich die
Gespräche mit der Mutter als äußerst schwierig. Ich hatte Sara zu Beginn
der Therapie meine Visitenkarte für die Mutter mitgegeben, wollte es ihr
überlassen, wann sie die Karte weitergibt, wann sie sich vorstellen
kann, dass auch die Mutter in die Therapie einbezogen werden darf, und
ich wollte es auch der Mutter überlassen, wann sie zu mir Kontakt
aufnehmen möchte, da die Therapieentscheidung vom Vater ausgegangen war.
Solange Sara bei dem Vater wohnt, kommt mit der Mutter kein Termin
zustande. Erst als Sara vorübergehend in einer WG untergebracht ist,
meldet sich die Mutter bei mir. Der Sozialarbeiter habe es ihr geraten,
begründet sie ihren Gesprächswunsch auf meinem Anrufbeantworter, so als
müsse sie sich dafür entschuldigen. Vor der Praxistür steht pünktlich
eine kleine, zierliche Frau, die mich schüchtern anlächelt, mädchenhaft
wirkt. Nach meinen einleitenden Worten fängt sie an zu reden, ohne
Pausen zu lassen, in denen ich etwas sagen oder antworten könnte. Dabei
wirbt sie um mich und hält mich gleichzeitig auf Distanz, außen vor.
Zwischen uns entwickelt sich kein Dialog, kein Geben und Nehmen. Es ist
für mich so, als müsse sie das Gespräch in der Hand behalten,
dirigieren, so als dürfe sie die Kontrolle über das Gespräch nicht
abgeben. Sie monologisiert, und ich lasse es geschehen, höre ihr zu,
versuche ein wenig irritiert, ob der unterschiedlichen Signale von
Unterwürfigkeit und Dominanz, die sie mir anbietet, herauszufinden, was
ihr Beziehungs- und Interaktionsangebot mit mir macht, welche Gefühle
sie in mir auslöst. Ich spüre hinter ihrem unsicheren Lächeln, hinter
dem nicht abreißenden Wortfluss ihre Angst. Einmal weint sie und es
lässt mich merkwürdig unberührt. Ich sehe Tränen, aber das entsprechende
Gefühl stellt sich nicht ein. Inhaltlich geht es hauptsächlich darum,
wie sie die Situation, als Sara von ihr zum Vater zog, erlebt hat, wobei
ich rätsele, ob sie nun verletzt ist, weil Sara von ihr weg gegangen
ist, oder erleichtert. Atmosphärisch ist es so, als bewegten wir uns auf
dünnem Eis. Auch ich bin angespannt und auf der Hut. Sehr, sehr
vorsichtig. Sie zeigt mir eine hohe Verletzlichkeit gepaart mit einer
Starre und Rigidität, die wie ein Korsett wirkt, mit dem sie ihr Leben
bewältigen kann. Ich habe das Gefühl, keine Initiative ergreifen zu
dürfen, um ihr labiles Selbstgefüge nicht zu gefährden. Hinter ihrer
Angst spüre ich noch etwas anderes, intuitiv, was mich vorsichtig werden
lässt, aber ich könnte es nicht in Worte fassen. Ich bin erleichtert,
als das Gespräch vorbei ist. Wir verbleiben so, dass sie sich meldet,
wenn sie ein weiteres Gespräch möchte.
Das nächste Mal höre ich von ihr auf meinem Anrufbeantworter. Vater und
Mutter suchen in der Zeit eine Schule für Sara, und sie fordert mich mit
schriller und erregter Stimme auf, ich solle mich aus der Schulfrage
gefälligst raushalten. Nach kurzem Zögern beschließe ich, darauf nicht
zu antworten. Das nächste Gespräch findet statt, als es um die Frage
geht, ob die Eltern als Eltern zusammenfinden könnten mit dem Ziel, eine
gemeinsame Betreuungslösung für Sara zu finden, und welchen Part dabei
die Mutter übernehmen könnte. Es war von mir als Beginn einer Reihe von
Gesprächen gedacht, die zunächst mit ihr alleine, dann auch mit dem
Vater und Sara zusammen geführt werden sollten. Sie beginnt das Gespräch
damit, ob sie mir einmal eine Frage stellen dürfte, und fängt dann an,
mir heftigste Vorwürfe zu machen, warum ich sie nicht bei Therapiebeginn
einbestellt hätte. Sie hätte sich bei dem Leiter der örtlichen
Beratungsstelle erkundigt und der hätte gesagt, dass man das tun müsste.
Sie wird so beleidigend, dass ich einen kurzen und heftigen Impuls
verspüre, die Sitzung zu beenden. Es gelingt mir dann aber doch ganz
gut, mich soweit zu regulieren, dass ich darüber nachdenken kann,
weshalb sie so heftig agieren muss. Hat sie sich wirklich ausgeschlossen
gefühlt oder nicht eingeladen und das als eine Schuldzuweisung erlebt?
Warum kommt sie damit aber zu einem Zeitpunkt, wo es um einen
gemeinsamen Ansatz geht? Sagt sie mir damit indirekt, dass sie eine
gemeinsame Lösung nicht mittragen wird? Während ich so über ihre
möglichen Beweggründe nachsinne, wird sie plötzlich wieder ganz
unterwürfig, weint und fängt an, über Sara zu reden. Sie erzählt mir von
den ersten Jahren mit ihr und dass Sara immer schon sehr schüchtern war,
nicht zu anderen Kindern gehen wollte, nicht zu den Kindergeburtstagen.
Redet sie jetzt, so frage ich mich, über ihre Schüchternheit und ihre
Probleme, Kontakt aufzunehmen, ihre Angst vor Zurückweisung? Könnte das
ein Grund für ihre späte Kontaktaufnahme zu mir sein, die sie mir jetzt
vorwirft?
Sie betont, was Sara alles tun müsste und sollte und nicht täte und
warum. Inwieweit das die Schuld des Vaters sei, der wär nämlich auch so,
er entzöge sich auch seinen Verpflichtungen, wie Sara. Wenn Sara nicht
zur Schule ginge, dann wäre sie dafür, dass sie in ein Heim komme. Sie
hätte nicht mehr die Kraft, sich mit ihr auseinander zu setzen. Als die
Sitzung zu Ende ist, machen wir beide keinen Versuch, uns erneut zu
verabreden. Irgendwie scheinen wir beide die Hoffnung aufgegeben zu
haben, dass es zwischen uns zu einem befruchtenden und hilfreichen
Austausch kommen könnte. Neben einer gewissen Erleichterung gibt bei mir
ein Gefühl von Gescheitertsein. Die Familie konnte durch den
therapeutischen Prozess nicht zusammengeführt werden, die Spaltung
innerhalb der Familie, die für Sara so leidvoll ist, wurde nicht
überwunden. Seit ihrer Trennung arbeiten die Eltern gegeneinander, geben
sich gegenseitig die Schuld an den Problemen ihrer Kinder, und finden
die für sie problematischen Seiten des Partners in ihrem Kind wieder und
werfen es ihm vor. Wenn man davon ausgeht, dass Sara Anteile der Mutter
und des Vaters in sich repräsentiert, kann man sich vorstellen, wie
schwierig es für sie ist, innerlich eine Balance zwischen diesen Teilen
zu finden. Die Art, wie Saras Mutter in Austausch mit anderen tritt, die
Art wie sie Beziehungen reguliert, hat auch Saras Art der Beziehung mit
wichtigen anderen geprägt. Gerade das der Mutter Ähnlichsein ist für
Sara oft schwer auszuhalten. Ein Teil ihres Selbsthasses bezieht sich
auf das Erkennen ähnlicher Verhaltensweisen mit der Mutter. Gerade
deshalb wäre eine Integration der Mutter wichtig gewesen und nicht ihr
Ausschluss. Aber auch ich als Therapeutin muss oft Grenzen akzeptieren,
Grenzen meiner Arbeit, die in mir oder in den äußeren Bedingungen
liegen, was auch mir nicht immer leicht fällt. Ich beruhige mich damit,
dass Saras Mutter zu regelmäßigen Beratungsgesprächen in die örtliche
Beratungsstelle geht, bin aber trotzdem mit der Entwicklung unzufrieden.
Das Erleben der Interaktion mit der Mutter hat mir aber wertvolle
Hinweise zum Verständnis von Saras Verhaltenweisen gegeben. Ich werde
darauf später zurückkommen.
Emotionale
Gewalttätigkeit
Mit Sara arbeite ich in dieser Zeit intensiv an dem Thema, wie in der
Familie mit Gefühlen, vor allem mit dem Gefühl der Bedürftigkeit
umgegangen wird. Das Gefühl, beschämt zu werden, woher sie das kenne,
wann sie das schon einmal erlebt habe. In der Familie herrscht ein
gefühlsabwehrender, ironischer Umgangston vor, den sie sich einerseits
zu Eigen gemacht hat, dem sie aber als Kleinste vor allem früher nicht
gewachsen war. Ihr fallen Situationen ein, in denen sich die Geschwister
über sie als die Kleinste lustig gemacht hätten und keiner sie geschützt
habe. Der Vater sage immer, sie soll doch sagen, wenn sie Hilfe brauche,
er helfe ihr dann. Er werfe ihr sogar vor, sie könne keine Hilfe
annehmen. Als sie das erzählt, fällt ihr plötzlich eine Situation ein,
da ist sie ungefähr drei. Die Eltern seien weggegangen und sie habe sich
mit dem Kopf an der Türklinke gestoßen, sie habe geblutet. Keiner sei da
gewesen. Keiner habe ihr geholfen. Sich verletzen, verletzt werden,
allein gelassen werden, schutzlos sein, hilflos. Wie unangenehm, wie
unerträglich, nicht aushaltbar für ein kleines Kind diese Gefühle sind.
Wir wenden uns beide diesem kleinen Kind zu. Wie es sich wohl fühlen
muss. Es fallen ihr immer mehr Situationen ein, als sie klein war. Der
ältere Bruder habe sie geschlagen, er habe ihr Spielzeug kaputt gemacht,
er habe gebrüllt, wenn sie mit seinem Spielzeug gespielt habe. Sie sei
zur Mutter gelaufen und habe geweint. Die habe gesagt, ist doch gar
nicht schlimm.
Die Situation, beschämt zu werden, mobilisiert Erinnerungen an
Beschämungssituationen, als sie jünger war, hilflos, allein, keiner ihr
beigestanden hat. Wir durchleben noch einmal gemeinsam diese
Situationen, überlegen uns gemeinsam, was ein Kind in solchen
Situationen braucht und reden darüber, wie schlimm es für sie war, dass
sie in diesen erinnerten Situationen keine Unterstützung bekommen hat.
In diesem Prozess des Mitfühlens, Miterlebens mit der „kleinen“ Sara
versuche ich, die „große“ Sara anzuregen, mit sich selber einfühlsamer,
verständnisvoller umzugehen. Ich kann dabei auf ihre Erfahrungen im
Praktikum zurückgreifen, bei dem sie selber Kinder getröstet hat, wenn
sie weinten und Hilfe brauchten. Jetzt geht es darum, dass sie auch mit
sich selber diese verständnisvollen Dialoge führen kann, die sie mit den
Kindern schon geführt hat. Je mehr Sara einfühlsam mit sich selber
umgehen, je erfolgreicher sie sich selber steuern und regulieren kann,
desto kompetenter wird sie sich fühlen, desto mehr Selbstbewusstsein
wird sie erwerben, und desto unabhängiger kann sie sich von einem guten
äußeren Objekt fühlen, weil die gute innere Repräsentanz in Form
verständnisvoller innerer Dialoge sie überall hin begleiten kann.
„Emotionale Gewalttätigkeit“ nennt Shelley Doctors (2004) das Verhalten
von Eltern, die, wenn ein Kind mit dem Bedürfnis nach Zuwendung und
Regulation des alltäglichen Kummers sich vertrauensvoll an sie wendet,
aufgrund eigener Defizite nicht einfühlsam genug auf die Bedürfnisse des
Kindes eingehen, keine Hilfe, keinen Trost zur Verfügung stellen können,
sogar auf den Kummer und die Bedürftigkeit des Kindes mit Zurückweisung
und/oder Schlägen reagieren. Diese Erfahrungen mit emotionaler
Gewalttätigkeit schaffen beim Kind die innere Überzeugung, dass
emotionaler Schmerz ohne die Hilfe anderer bewältigt werden muss (Doctors
2004).
Diese Erfahrungen prädisponieren Individuen dazu, sich von anderen in
Zeiten der Bedürftigkeit abzuwenden und verzweifelt in selbstgerichteten
Handlungen Trost zu suchen. Selbstverletzendes Verhalten (Ritzen, Haare
ausreißen) ist ein Versuch des Selbstmanagements, ein Versuch, mit einem
körperlichen Schmerz einen seelischen Schmerz zu bewältigen. Das kleine
Kind entwickelt in der Interaktion mit Eltern, die seelischen Schmerz
nicht regulieren können, Bewältigungsstrategien, die dazu dienen, das
Gefühl schmerzlicher Verletzbarkeit selber zu regulieren. Rückzug in
Tagträumerei, übermäßiges Essen, später dann exzessiver, zwanghafter
Drogenmissbrauch und Internet- und Spielsucht sind solche unzureichenden
Regulationsversuche. Bindungsforscher sprechen von der
Mentalisierungsfähigkeit der Eltern. Sie verstehen darunter die
Fähigkeit der Eltern, sich in die vermuteten seelischen Zustände des
Kindes hinein zu versetzen und diese Einfühlung in die körperliche
Handreichung zu übersetzen, die das Kind versteht. Diese Handreichung,
die Regulation innerer Zustände durch die Eltern, wird durch das
wiederholte Erleben verinnerlicht und dadurch Teil des eigenen Umgangs
mit sich selbst, Teil der Selbstregulation (vgl. Fonagy/Target 2002).
Jugendliche, die sich selbst verletzen, haben in der Interaktion mit
ihren Eltern nur unzureichend hilfreiche und tröstende Regulationen
verinnerlichen können und greifen in Situationen, in denen emotionale
Katastrophen drohen, auf die Strategien zurück, die ihnen zugänglich
sind. Das Verhalten, das von Außenstehenden als gewalttätig empfunden
wird, erlebt der Jugendliche als problemlösend, oft auch als entspannend
(Ritzen, Kiffen), als eine Möglichkeit mit einem unerträglichen Zustand
des Selbst umzugehen oder ihm vorzubeugen (vgl. Doctors 2004).
Jugendliche, die sich selbst verletzen, haben „gelernt“, auf Techniken
der Selbststeuerung zurückzugreifen, anstatt bei der Bewältigung ihrer
Gefühle Hilfe von anderen zu erwarten. Sie müssen davon ausgehen, dass
nicht nur die diese Regulationsversuche auslösenden Gefühle der
Bedürftigkeit und Kleinheit von anderen missbilligt werden, sondern auch
die Versuche, sie zu regulieren von Außenstehenden nicht verstanden oder
sogar abgelehnt werden. Auch sie erleben diese Versuche des
Selbstmanagement im Nachhinein als unzureichend und beschämend, und es
fällt ihnen schwer, sich damit anderen anzuvertrauen. Ein Teufelskreis,
der auch und gerade in der Therapie schmerzlich zutage tritt, wenn das
Muster, keine Hilfe erwarten zu können, auf die Therapeutin übertragen
wird.
Zwickmühlen
Sara geht zunächst in ein Projekt für schuldistanzierte Jugendliche und
fühlt sich dort sofort aufgehoben und wohl. Sie ist in den meisten
Fächern die Beste und die Betreuer loben sie. „Ich sporne die anderen
an“, berichtet sie mir stolz. „Im Projekt richtet sich der Unterricht
nach uns. Hier ist die Gemeinschaft wichtig, das Sich-gegenseitig-
Helfen. In der Schule geht es darum, wer der Tollste ist. Jeder zeigt,
was er kann, was er hat. Ob die Schüler sich verstehen, ist den Lehrern
doch egal. Es geht nur um Leistung. Beim Projekt sind die Jungen und
Mädchen so wie ich, sie haben ähnliche Probleme wie ich. Im Projekt
werden wir unterstützt, wenn wir etwas nicht können. Die Betreuer helfen
uns, sind für uns da, wenn uns mal was nicht gelingt. Es gibt nicht noch
eins drauf, wenn man was nicht schafft. In der Schule soll man doch nur
an sich denken, dass man weiter kommt, dass man der Beste ist.“
Sie macht ein Praktikum in einem „angesagten“ Musikladen, das sie sich
selber ausgesucht hat und das ihr sehr viel Spaß macht. Sie ist
begeistert und wird von den Mitarbeitern als kompetent und einfallsreich
beschrieben, eigenständig und zuverlässig, bis es zu einem Konflikt mit
einer Mitschülerin kommt, woraufhin sie sich weigert, weiter dorthin zu
gehen.
Die Mitschülerin hatte sich in das Praktikum gedrängt und Sara
wiederholt mit ihr dramatisch ihren Konflikt um Rivalität und
Selbstbehauptung. Zunächst spricht sie über ihre Wut, dass sich die
andere da einfach reingedrängt habe. Sie könne ihr das aber nicht sagen.
Sie wolle mit ihr nichts mehr zu tun haben und gehe deshalb da nicht
mehr hin. Basta. Das klingt wild entschlossen, und ich erlebe sie als
unzugänglich, abgeschottet gegen mich, gepanzert. Sie macht mir
deutlich, dass es da nichts zu verhandeln gibt, dass ich das zu
akzeptieren habe. In mir macht sich ein Gefühl von Ohnmacht und
Hilflosigkeit breit, ich fühle mich blockiert, aber auch wütend, und
mein erster Impuls ist, gegen ihre Sturheit anzukämpfen, um aus der
passiven wieder in eine aktive Position zu kommen. Anstatt diesem Impuls
nachzugeben, fange ich an, über die Art, wie wir gerade miteinander
umgehen, nachzudenken, überlege, ob sie gerade etwas mit mir wiederholt,
was sie selber oft erlebt hat, und frage sie deshalb: „Kann es sein,
dass Du da in einer fürchterlichen Zwickmühle bist?“ Ihr kommen die
Tränen und sie nickt. Sie fühlt sich wohl von mir in ihrem inneren
Konflikt gesehen, hat dadurch nicht mehr das Gefühl, sich gegen mich und
meine Interventionen, gegen mögliche Kritik und Erwartungen schützen zu
müssen, und das starre Gegeneinander löst sich auf.
Sie beschreibt mir jetzt ihren inneren Konflikt zwischen teilen müssen,
dafür gelobt werden, und nicht teilen wollen, etwas für sich haben
wollen. Etwas für sich allein haben wollen sei egoistisch und egoistisch
„darf man“ nicht sein. Sie sei ganz schrecklich wütend auf die
Mitschülerin, weil diese sie in solche Bedrängnis gebracht habe, und
diese Wut blockiere sie. Sie habe Angst, wenn sie sage, was sie wolle,
ständen alle gegen sie, vor allem ihre Lieblingsbetreuerin. Die
Mutter habe nie zu ihr gehalten, fällt ihr dazu ein. Sie habe sie auch
nicht unterstützt, wenn sie etwas nicht konnte, sondern es ihr
vorgeworfen. Auch sie selber sei sauer auf sich, weil sie sich von der
Mitschülerin so habe rausdrängen lassen, sich nicht gegen sie
durchsetzen konnte. Nicht abgegrenzt, sagt sie mit leicht ironischem
Unterton. „Abgrenzen“ ist mein „Lieblingswort“, so Sara, „meine Norm“.
Ihre Interessen gegen die Interessen einer anderen durchzusetzen, falle
ihr immer noch schwer. Als Kind habe sie sich gegen die Mutter nicht
behaupten können. Die Mutter habe das, was sie, die Mutter, wollte, als
richtig, das, was sie, Sara, wollte, als falsch hingestellt. Wie es ihr
dann gehe? „Ich zweifle an meiner Meinung, zweifle an meinen Gefühlen.
Ich bin verwirrt und fühle mich hilflos und ohnmächtig. Hat sie Recht
oder hab ich Recht? Am Ende weiß ich nicht, was ich will. Ich hab das
Gefühl, du hast was Falsches gesagt, du hast die falsche Meinung. Du
bist falsch. Ich ziehe mich zurück und werde trotzig und stur, um bei
meiner Meinung bleiben zu können. Meine Mutter muss immer Recht
behalten, sie würde nie sagen, da hab ich was falsch gemacht. Wenn es
einen Streit gibt, bin immer ich Schuld. Früher konnte ich mich nicht
dagegen wehren. Jetzt brülle ich sie an. Bei meiner Mutter kann ich das
mittlerweile, aber bei anderen traue ich mich das nicht.“
Hier beschreibt sie ihre Verwirrung, die das übergriffige und starre
Verhalten der Mutter, die Zuschreibungen der Mutter in ihr auslösen und
welche Mechanismen sie gebraucht, um sich davor zu schützen – nämlich
Rückzug. Es gibt eine tiefe Unsicherheit in ihr, wer bei einem
Interessenkonflikt Recht hat, wem sie trauen kann. Sie kann sich bei
dieser Entscheidung nicht auf ihre Gefühle verlassen, weil ihr ihre
Gefühle von klein auf als falsch dargestellt wurden. Sara hat früh
gelernt, sich auf den Zustand des anderen einzustellen und diesen
Zustand zur Richtschnur für ihr Handeln zu machen, hat dabei nicht
gelernt, auf den eigenen inneren Zustand zu achten, und diesen als
Kompass zu nutzen. In der Konfliktsituation mit der Mitschülerin bricht
der Bewältigungsmechanismus, die Erwartungen wichtiger anderer
herauszufinden und danach zu handeln, zusammen, weil es jetzt verwirrend
viele Beteiligte mit unterschiedlichen Wünschen und Erwartungen gibt.
Zunächst sind da die Erwartung der Mitschülerin, im Praktikum von ihr
wohlwollend aufgenommen und unterstützt zu werden, und die Erwartung der
Betreuerin: Sie, Sara, solle das eher verwahrloste Mädchen motivieren
und stützen, bei der Stange halten. Dann die Erwartungen der
Mitarbeiter: Sara hatte sich in dem Praktikum eine ausgesprochen gute
Beziehung zu den ein wenig älteren, zum Teil „flippigen“ männlichen
Mitarbeitern aufbauen können, die begeistert von ihr waren, von ihrer
Lernfähigkeit, ihrer raschen Auffassungsgabe, ihrer Zuverlässigkeit. Zum
einen wollte sie diese Beziehung nicht gefährden, wollte nicht erleben,
dass ein Eindringling durch sein bloßes Auftauchen ihr alle Sympathien
wegnimmt, die sie sich mühsam durch Leistung erworben hat, was anzeigt,
wie brüchig ihr Selbstbewusstsein ist, wie angewiesen auf fortdauernde
Bestätigung. Sie hatte aber auch Angst, zwischen die Fronten zu geraten,
zwischen die Erwartung der Mitschülerin, die sie als frech und aufmüpfig
beschreibt, mit ihr zusammen Unsinn zu machen, zu schwänzen, sich
daneben zu benehmen, und der Erwartung der Mitarbeiter, weiterhin
zuverlässig zu sein.
Sie könnten sauer auf
mich sein
Und dann gab es noch meine Erwartung, dass sie sich aus dem Praktikum
nicht rausdrängen lässt, dass sie ihre Position behauptet, sich
abgrenzt, das in den Sitzungen Erarbeitete umsetzt, nicht klein beigibt.
Da sie das Gefühl hat, nur gemocht zu werden, wenn sie die Erwartungen
anderer erfüllt, hat sie nun ein Problem, da es widersprüchliche
Erwartungen gibt. Eine Art Zwickmühle: Egal, was sie macht, sie muss
jemanden enttäuschen. Jemanden enttäuschen, der ihr dann Vorwürfe macht,
der sie dann niedermacht, der sie mit seinen Zuschreibungen verwirrt
(„Du bist so egoistisch wie deine Mutter.“ „Du bist so unzuverlässig wie
dein Vater.“). Da auch ich an diesem Wirrwarr beteiligt bin, frage ich
sie, nachdem sie den Konflikt mit der Mutter beschrieben hat, wie es ihr
denn mit mir gehe, wenn sie etwas anderes wolle als ich. Ob sie auch bei
mir das Gefühl habe, bestimmt zu werden, beeinflusst, keine Chance gegen
mich zu haben? „Vielleicht ein wenig“, sagt sie und lacht verlegen, um
gleich abzuschwächen: „Vielleicht befürchte ich es nur, vielleicht ist
es ja anders.“ Was könnte denn anders sein? „Sie hören mir erst mal zu,
versuchen, mich zu verstehen, auch wenn Sie eine andere Meinung haben.
Trotzdem ist es für mich schwer, bei meiner Meinung zu bleiben, wenn ich
denke, Sie erwarten etwas anderes von mir.“ Was dann wäre? „Sie könnten
enttäuscht von mir sein. Das wäre nicht so gut. Oder Sie könnten sauer
auf mich sein und dann nicht mehr für mich da, nicht mehr auf meiner
Seite, gegen mich.“
Dies ist eine der wenigen Situationen, in der sie relativ offen über
ihre Befürchtungen in der Beziehung zu mir sprechen kann, eine
Situation, in der sie erlebt, wie sie die Beziehungsmuster, die sie mit
der Mutter und dem Vater ausgebildet hat, auf mich überträgt. Sie
vermutet einerseits, dass ich anders reagieren könnte, instinktiv weicht
sie aber einer Auseinandersetzung mit mir aus, weil sie befürchtet,
darin – wie bei der Mutter - den Kürzeren zu ziehen, von mir für ihr
Scheitern kritisiert und niedergemacht zu werden. Sie spricht ihre Angst
aus, dass ich von ihr enttäuscht sein könnte, wie der Vater von ihr
enttäuscht ist, der sich dann resigniert zurückzieht und ihr nicht zur
Seite steht, der ihr in Situationen, in denen es ihr schlecht geht,
keinen Halt geben kann, sich hilflos und verstrickt fühlt, selber keinen
Ausweg weiß.(„Was soll ich denn machen, wenn sie nicht zur Schule geht,
ich kann da doch nichts machen“, sagt er einmal zu mir, wie ein ganz
kleiner Junge.) Aber sie ist auch selber von sich enttäuscht, erlebt
sich selber als an ihren Ansprüchen gescheitert und befürchtet nun, dass
ich sie in diesem Zustand nicht halten, nicht aushalten kann. Der Vater
habe einmal zu ihr gesagt, Therapeuten hätten eine lange Ausbildung,
damit sie den Schmerz anderer Menschen aushalten könnten, sagt sie zu
mir. Trotzdem wolle sie mich nicht mit ihren Problemen belasten, habe
Angst, ich könne dann nachts nicht schlafen(und sie deswegen als
unerträglich ablehnen, ergänze ich innerlich für mich).
Aber ich denke, die Angst vor meiner Enttäuschung, vor meiner fehlenden
Belastbarkeit – auch ich habe ja viele Patientenkinder - ist nur die
eine Seite. Es gibt auch eine Enttäuschung an mir. Ich vermute, sie ist
enttäuscht, dass sie weiterhin diesen erniedrigenden Situationen
ausgesetzt ist. Sie kommt nun schon seit über einem Jahr zu mir und muss
immer noch mit dem Leben kämpfen. Ich habe sie nicht unverletzbar
gemacht, habe ihr die Schwierigkeiten nicht aus dem Weg geräumt. Ich
unterstütze sie und ermutige sie. Doch sie muss das in der
Therapiesitzung Besprochene alleine umsetzen und manchmal gelingt das
nicht. Ein schmerzlicher Prozess.
Einen weiteren Aspekt therapeutischer Arbeit kann man in dieser Sequenz
gut beobachten, nämlich die Umkehrung der Opfer-Täter-Position, und die
Lernprozesse, die mit der Bewältigung einhergehen: Sie bringt mich mit
ihrem sturen, unzugänglichen und trotzigen Verhalten oft in eine
ohnmächtige, hilflose Position, eine Position, in der sie sich selber
gegenüber ihrer Mutter/gegenüber ihrem Vater als Kind befunden hat, und
sie erlebt jetzt meine Manöver, mich daraus mal mehr oder weniger
geglückt zu befreien, wodurch sie andere Formen der Bewältigung von
Ohnmachtsituationen erlebt.
Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Art, wie sie diese
Konfliktsituation bewältigt hat, ist ihre fehlende Fähigkeit zur
konstruktiven Auseinandersetzung. Erinnern wir uns an die Art, wie die
Mutter in der Auseinandersetzung mit mir zwischen Unterwürfigkeit und
verletzendem Angriff hin- und herschwankte. Es hat den Anschein, als ob
in einem Interessenkonflikt nur der eine oder der andere siegen könne,
so als ob es keine Kompromisse, keinen Ausgleich geben könne. Entweder-
oder, oben oder unten. Jede Form der Selbstbehauptung erscheint auf
dieser Folie als ein Angriff auf die Integrität des anderen. Ein
Nebeneinander unterschiedlicher Interessen, das Aushalten von
Differenzen erscheint als nicht möglich. Ihre Weigerung oder ihre
Unfähigkeit, meinen Erwartungen zu entsprechen, würde mich – so die
Annahme - so verletzen und/oder so verärgern, dass es zu einem Bruch
unserer Beziehung kommt. „Sie könnten sauer sein und dann gegen mich.“
Und wenn das so ist, ist es dann nicht besser, sie bricht die Beziehung
ab, anstatt zu erleben, wie ich es tue. Wobei abbrechen ja auf einer
Bandbreite von enttäuscht abwenden, nicht mehr zur Verfügung stehen,
nicht mehr wohlwollend sein, bis hin zu aggressiven Angriffen geht.
Säuglingsforscher gehen bei der Frage der Aggressionsentwicklung von
zwei unterschiedlichen Motivationssystemen aus: das assertive,
selbstbehauptende System, ein angeborenes System, das mit Neugier und
Exploration verbunden ist, und das aversive Motivationssystem, das
aktiviert wird, wenn Gefahr droht, und das zu Angriff oder Rückzug
führt, je nachdem wie die Kräfteverhältnisse eingeschätzt werden (vgl.
Dornes 1997, 250 ff.). Wenn ein Kleinkind in der Interaktion erlebt,
dass es seine selbstbehauptenden, explorativen Impulse unterdrücken
muss, weil sie mit Rückzug und/oder Ärger der Bezugsperson
beantwortet werden, wird es zusammen mit den Impulsen diese Antwort als
ein Schema des Zusammenseins in sich repräsentieren und als
automatisiertes Reaktionsschema in ähnlichen Situationen abrufen (Stern
1998, Kap.5).
Saras Vorstellung, wie selbständig sie bei mir sein darf, ist also mit
unterschiedlich bewussten Erlebnisebenen belegt, wobei die
wirkmächtigste und zugleich unzugänglichste eben diese vorsprachliche,
in vielen Interaktionsepisoden gemachte Erfahrung ist, dass das Ausleben
von „Eigensinn“ zu einer feindseligen Reaktion führen wird. Was sie nun
auch in der Interaktion mit mir befürchtet, weshalb sie diese Impulse im
Zusammensein mit mir unterdrückt und nur außerhalb der Beziehung, im
Rückzug ausleben kann, womit sie verhindert, dass ich sie angreife, aber
auch dass sie mich angreift/verletzt/verärgert. Da sie mich in
Situationen, in denen sie Differenzen zwischen uns vermutet, aus Angst
vor meiner Feindseligkeit/Unzufriedenheit meiden muss, kann sie zunächst
wenig emotional korrigierende Erfahrung mit mir machen – nämlich dass
ich mich vielleicht anders verhalte als ihre frühkindlichen
Bezugspersonen. Im Laufe der Therapie wirkte jedoch Saras Vater in
Situationen, in denen Sara vor der Auseinandersetzung mit mir weglief,
immer mehr als integrative, vermittelnde Kraft. Er kam mit ihr „im
Schlepptau“ zu seinen Sitzungen und stellte sie ihr zur Verfügung. So
konnte sie sich in seinem Schutz erneut annähern, mit mir immer wieder
die Erfahrung von Entfernen und Annähern, von Bruch und Reparatur der
Beziehung machen.
In einer der nächsten Sitzungen kommen wir noch einmal auf die
Konfliktsituation mit der Mitschülerin zurück und arbeiten zunächst an
ihrer Angst, die Mitschülerin würde von den Betreuern mehr gemocht, die
Betreuer würden zu ihr halten, den Standpunkt der Mitschülerin
vertreten, sie, Sara, als gemein darstellen. Alle wären gegen sie und
sie stünde ganz allein da. An dieser Konstellation gelingt es uns im
Verlauf der folgenden Sitzungen ganz gut, das schwierige Verhältnis zu
den Halbgeschwistern zu bearbeiten. Der Vater hatte inzwischen die
Lebensgefährtin geheiratet und ein Haus im Berliner Umland gekauft. Sara
weigerte sich mitzuziehen und die Situation spitzte sich zu. Es wurde
immer deutlicher, dass sie aus verschiedenen Gründen nicht mit dem Vater
mitziehen konnte. Zunächst sagt sie, sie will, dass der Vater ein
schlechtes Gewissen hat. Er soll denken, ich lasse sie jetzt allein
zurück. Was bin ich doch für ein schlechter Vater. Außerdem sei sie
sauer, weil die Freundin sich durchgesetzt habe. Sie habe zu ihren
Kindern gehalten. Sie wäre nicht zum Vater gezogen. Sie wollte, dass
ihre Kinder in der Nähe ihres Vaters wohnen bleiben. Der Vater habe sich
für die Freundin entschieden und nicht für sie. Warum? Er denkt, das ist
eine Familie, ein Nest. Was sie sich von ihm wünscht? frage ich sie. Sie
wünscht sich, dass er für sie da ist, dass er sich um sie kümmert, dass
sie wichtig für ihn ist. „Ich wünsche“, sagt sie, „dass er zu mir steht.
Aber ich kann ihm das nicht sagen. Ich kann ihm nicht sagen, dass ich
ihn brauche.“ Es wäre so etwas wie ein Triumph für ihn, eine Niederlage
für sie. Sie kann ihm aber auch nicht zeigen, wenn sie traurig ist. Sie
will ihn nicht belasten. Sie will ihm zeigen, dass sie auch ohne ihn
klar kommt, auf ihn nicht angewiesen ist.
Hier zeigt sie noch einmal eindrücklich ihren Autonomiekonflikt, ihre
Ambivalenz in Bezug auf den Vater, ihr Schwanken zwischen alleine klar
kommen wollen und der Angst vor dem Scheitern, ihr Wunsch nach Zuwendung
und ihre Angst vor Zurückweisung, die Demonstration ihrer Verlassenheit
als Instrument, um dem Vater ein schlechtes Gewissen zu machen, zugleich
aber die Angst, ihn zu belasten. Sie berichtet über dieses Gefühl, das
sie hat, dieses „Entweder Oder“. Diese Frau oder ich. Macht oder
Ohnmacht. Sie beschreibt in einer der nächsten Sitzungen, wie schwer es
ihr fällt, jemanden einen Gefallen abzuschlagen. Sie wolle großzügig
sein und nicht so egoistisch wie ihre Mutter. Sie habe unter dem
Egoismus der Mutter immer so gelitten und dürfe deshalb nicht egoistisch
sein. Sie habe sich die Eltern immer großzügig gewünscht. Deshalb konnte
sie zu der Mitschülerin nicht sagen, ich will das nicht, dass du kommst.
Außerdem könnten die anderen nicht verstehen, dass sie das Praktikum für
sich haben wollte. Die könnten das verurteilen. Sie sei immer für ihr
soziales Engagement gelobt worden.
In der nächsten Sitzung kommen wir noch einmal auf die neue Familie des
Vaters zu sprechen. Jetzt spricht sie über ihre Angst, das fünfte Rad am
Wagen zu sein. Zu sehen, dass die Kinder etwas bekommen, was sie selber
so schmerzlich vermisst hat. Die Angst, zu dieser Familie nicht dazu zu
gehören, fremd zu sein. Die Kinder hatten es gut, die hatten immer eine
verständnisvolle Mutter, die haben deshalb keine Probleme, die sind
privilegiert. Die beiden Halbschwestern sollen wohl schlank und schön
und gut in der Schule sein. Es ist das Gefühl, wieder allein zu stehen,
dass sie als Kind so schmerzhaft erlebt hat und vor dem sie sich
fürchtet. Das Gefühl, die leiblichen Kinder werden vorgezogen, sie ist
der Bastard.
Sie hat in diesen Sitzungen guten Zugang zu ihren Gefühlen von Neid,
Missgunst, Verzweiflung, Scham, Wut. Sie kann diese - negativ besetzten
- Gefühle wahrnehmen, erleben und zeigen und ansatzweise als zu ihr
gehörig akzeptieren. Sie kann gut zwischen dem Hier und Jetzt und den
Kindheitserinnerungen hin und her wandern, spürt den Zusammenhang
zwischen Kindheitserlebnissen und ihrer Haltung „zum Leben“, spürt, wie
die Erlebnisse ihre Verhaltensweisen, ihre Erwartungen, ihre
Überzeugungen beeinflussen, wie sie dadurch beschränkt und behindert
wird, sich oft ohnmächtiger fühlt als sie vielleicht heute ist. Die
kleine und die große Sara. Was kann die große Sara, was der kleinen noch
nicht möglich war. Welche neuen Möglichkeiten stehen der großen Sara
offen?
Happy End?
Nachdem Sara eine zeitlang versucht hat, allein zu leben, zieht sie zum
Vater, teilt sich mit der sechs Monate jüngeren Halbschwester das Zimmer
und geht wieder zur Schule, eine kleine, überschaubare Dorfschule mit
einer engagierten Lehrerin, kurzen Wegen, schnellem feed back. Sie hat,
entgegen ihrer Befürchtung, in der neuen Familie doch den Raum gefunden,
den sie brauchte, um ihren Weg zu gehen. Vielleicht hat ihr auch der
therapeutische Prozess, auf den sie sich zeitweise intensiv eingelassen
hat, neue Bewältigungsmechanismen an die Hand gegeben, so dass ein
Ineinandergreifen von neuen inneren Möglichkeiten und wohlwollender,
Schutz und Halt gebender äußerer Umgebung entstanden ist. Vor allem dem
Vater ist es gelungen, in den begleitenden Gesprächen zentrale Themen zu
bearbeiten, so dass er seine die Tochter überfrachtenden und
verwirrenden Phantasien aufgeben konnte und sie dadurch entlastet hat.
Er konnte das Kind in ihr zu sehen, ihre kindlich-jugendlichen Konflikte
wahrnehmen, was bei Sara dazu führte, dass sie sich akzeptiert und
verstanden fühlte, nicht mehr so heftig agieren musste. Auch die neue
Partnerschaft des Vaters mag dazu beigetragen haben, dass er die
Generationsgrenzen besser einhalten und aus der Vaterposition mit Sara
interagieren konnte.
Literaturliste
Boeckmann, K.: Der Wettlauf führt am Ziel vorbei. SZ vom 21.01.2003
Beilage S. 1
Doctors, S. : Wenn Jugendliche sich selbst schneiden. Neuere Ansätze zum
Verständnis und zur Behandlung. In: Streeck-Fischer, A.:
Adoleszenz-Bindung-Destruktivität. Klett-Cotta. Stuttgart 2004. 267-288
Dornes, M.: Die frühe Kindheit. Fischer. Frankfurt a.M. 1997
Fonagy, P./Target, M. : Neubewertung der Affektregulation. In: Psyche
56, 2002. 839-867
Fonagy, P./Target, M.: Frühe Interaktion und die Entwicklung der
Selbstregulation. In: Streeck-Fischer: Adoleszenz-Bindung-Destruktivität.
Klett-Cotta. Stuttgart 2004. 105-136
Hesse, H.: Unterm Rad. Suhrkamp. Frankfurt a.M.1988
Kächele, H.: Psychoanalytische Therapieforschung. In: Psychoanalyse 46,
März 1992. 259-285
Melfsen, S.: Soziale Phobie bei Kindern und Jugendlichen. In: Stangier,
U./Fydrich, T. (Hrsg.): Soziale Phobie und Soziale Angststörung. Hogrefe.
2002. 264-290
Prause, G.: Genies in der Schule. Econ. München 1998.
Stern, D.: Mutterschaftskonstellation. Klett-Cotta. Stuttgart 1998
___
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Regina Konrad
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