05|11|00
Morschitzky, H. (1998)
Angststörungen
Diagnostik, Erklärungsmodelle, Therapie und Selbsthilfe bei krankhafter Angst.
Wien: Springer Verlag.
98,- DM / 49,85 EURO.
WWW-Site zum Buch:
http://www.springer.at/springer.py?Page=30&Key=113&id=472&cat=11
(die etwas merkwürdigen Zeichen in der Adresse sind richtig)
Auf mehr als 600 dicht bedruckten Seiten stellt der
österreichische Psychotherapeut Hans Morschitzky eine umfassende Zusammenfassung des
aktuellen Forschungsstands zur Thematik der Angststörungen und deren Behandlung bzw.
Selbstbehandlung dar. Dabei orientiert der Autor sich an dem amerikanischen
psychiatrischen Diagnoseschema DSM-IV, welches 11 verschiedene Formen der Angststörung
aufschlüsselt. Da im DSM-IV im Gegensatz zum ICD-10 die Zwangsstörungen und die
posttraumatischen Belastungsstörungen unter der Gruppe der Angststörungen subsumiert
werden, finden auch diese Störungen ausführliche Berücksichtigung.
Bereits die Gliederung des Inhaltsverzeichnis macht
deutlich, dass sich diese Monografie nicht nur an die Vertreter medizinischer,
psychotherapeutischer, psychologischer, psychosozialer und pädagogischer Berufsgruppen
wendet, sondern ebenso den Kreis der AngstpatientInnen und deren Angehörigen mit
einschließen will. Dieser Anspruch ist keinesfalls zu hoch gegriffen. Durch die gute
Lesbarkeit ist es dem psychologischen Laien möglich, seine Erkrankung besser zu
verstehen, sich umfassendes Wissen über sein Leiden anzueignen und durch konkrete
Anweisungen zur eigenständigen Angstbewältigung seine Symptomatik zu lindern. Dabei
erhebt das Buch keinesfalls den (unrealistischen) Anspruch, fachmännische Hilfe zu
ersetzen. Morschitzky bewältigt dabei auf beeindruckende Weise die Herausforderung -
trotz der Berücksichtigung interessierter Laien als Adressaten seine Buches - die
professionelle Leserschaft nicht zu unterfordern. Im Gegenteil:
Angststörungen" eignet sich aufgrund seiner detaillierten Beschreibungen
ebenso hervorragend als Nachschlagewerk für Spezialfragestellungen. Dabei nimmt der Autor
keinen verabsolutierenden Standpunkt im Sinne einer einseitigen Darstellung der
Ätiologie, Diagnostik und Therapie von Angsterkrankungen aus dem Blickwinkel einer
bestimmten psychologischen Theorie ein, sondern beschreibt alle relevanten und
wissenschaftlich abgesicherten Therapieansätze, auch wenn die Verhaltenstherapie den
größten Raum einnimmt. Dies ist aber gerechtfertigt, wenn man den gegenwärtig
vorherrschenden Trend der kognitiv-behavioralen Methoden berücksichtigt.
Dem Autor ist in dreifacher Weise gelungen, mit seinem Werk
eine Lücke im deutschsprachigen Bereich zum Thema Angststörungen zu schließen:
Erstens ist es ein Fachbuch für Professionelle und
Betroffene.
Zweitens ist mir keine andere so umfassende Monografie
zu dieser Störungsgruppe bekannt.
Drittens ermöglicht der ausgesprochen günstige Preis
einer breiten Leserschaft den Kauf dieses Buches.
Auch wenn Morschitzky manche Aspekte dieser Störungsgruppe
nicht berücksichtigt, wie z.B. Angsterkrankungen speziell bei Kindern und Jugendlichen,
so bietet sein umfangreiches Literaturverzeichnis genügend Hinweise zu vertiefender
Sekundärliteratur.
Schade ist lediglich, dass das Buch kein
Stichwortverzeichnis enthält - dieses hätte die Orientierung gerade für
nicht-professionelle LeserInnen als auch die Nutzbarkeit seines - mit Berechtigung zu
bezeichnenden - Standardwerks zu Angststörungen als Lehrbuch deutlich erhöht.
Christiane Eichenberg
http://www.christianeeichenberg.de |