Angelika.Wuttke@t-online.deMärchen sind in Mode, auch in der Psychologie. Denn sie sind mehr als Unterhaltung für Kinder: sie fassen Lebenserfahrungen in Geschichten zusammen, machen seelische Verhältnisse in Bildern anschaulich. Der Psychotherapeut Heinz-Peter Röhr hat diese "Eigenschaft" von Märchen genutzt, um anhand von "Hase mein Igel" die frühe Persönlichkeitsstörung "Borderline" verstehbar zu machen.
Die Märchenfigur Hans mein Igel mit seinen völlig verschiedenen Hälften - oben ein Igel, unten ein Junge - repräsentiert die merkwürdige Zwiespältigkeit, die für Borderline-Personen typisch ist. Alles ist extrem: entweder schwarz oder weiß, gut oder böse, es wird idealisiert oder gnadenlos abgewertet. Daß die Zwischentöne fehlen, zieht sich als Problem durch das Leben der Betroffenen und macht ihr Erleben und Verhalten häufig zum Chaos. Z.B. sind sie einerseits "hart, radikal und grenzenlos in ihren Forderungen (stacheliger Igel), dann wieder weich, liebevoll und anrührend in ihrer Hilflosigkeit (kleiner Junge)" (S. 26)
Wie eine solche Störung entsteht, welche Merkmale (z.B. Instabilität, Destruktivität) sie hat, wie sie sich in den verschiedenen Lebensbereichen auswirkt, welche Krisen, Komplikationen, aber auch Lösungsansätze es gibt, entwickelt der Autor im Vergleich der Stationen des Märchens mit Fallbeispielen und Therapieerfahrungen.
Heinz Peter Röhr ist es gut gelungen, die Borderline-Störung sowohl anschaulich und umfassend als auch in den psychologischen Erkärungen verständlich darzustellen. Für Betroffene, Angehörige und Fachleute empfehlenswert.
Angelika Wuttke, Dipl.-Psychologin, Köln
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