"Gesprächspsychotherapie" hinausgeht.
Das Streben der Autoren ist darauf gerichtet, daß sowohl Klient als
auch Therapeut/Berater ihre kreativen Potentiale entdecken und in die
Therapie einbringen."
Wolfgang Neumann hat es - zusammen mit seinem am therapeutischen
Theater orientierten Kollegen Bruno Peters - unternommen, ein Form der
Therapie und Supervision zu entwickeln, die zwar eindeutig auf dem
Boden des person-zentrierten Ansatzes steht, aber entschieden über die
gewohnte Methodik der "Gesprächspsychotherapie"
hinausgeht. Das wird schon im Titel des Buches deutlich und in der
Widmung, die neben Carl Rogers auch Charly Chaplin gilt. Zudem
illustriert das Umschlagbild - ein lachendes Gebiß - nicht nur den
kuriosen Buchtitel, sondern bringt auch den Hang zu Spiel und Groteske
zum Ausdruck, der für Neumanns und Peters therapeutischem Umgang mit
Wort und Metapher kennzeichnend ist.
Das Streben der Autoren ist darauf gerichtet, daß sowohl Klient als
auch Therapeut/Berater ihre kreativen Potentiale entdecken und in die
Therapie einbringen. Dabei heben sie die Bedeutung der Bilder, der
Spontaneität und eines naiven Staunens hervor. Neben den Rogersīschen
Grundhaltungen bringen sie Techniken der systemischen Therapie zur
Geltung, die sich gut in die spielerische Einstellung einfügen, so
Symptomverstärkung, paradoxe Verschreibungen, Umbenennen und
Schlüsselworte. Aus Neumanns Wunderkiste kommen hinzu
Wortverdrehungen, verspielte Assoziationen und natürlich allerlei
Reimereien. Absicht ist dabei, Langeweile und verengte Sicherheit zu
durchbrechen und sie zu ersetzen durch Überraschung, Neugier und
Verunsicherung bis hin zur Verwirrung. Und das geschieht auch mit dem
Leser des Buches. Auf charmante und gütige Weise wird hier "das
Unaussprechliche mit Leichtigkeit gesagt", wobei die Sprache, das
Spiel mit den Worten, als das wichtigste Medium erscheint.
Die Basis der Therapie liegt freilich in der Beziehung, und die
beginnt mit dem "ersten Augenblick" (und da ist schon ein Poem über
die Augen und ihren Blick eingefügt - womit deutlich wird, daß mit
"Sprache" nicht nur die Worte gemeint sind, sondern die Präsenz, der
lebendige Austausch zwischen den Partnern). Auf solche Weise ist der
ganze Text durchsetzt mit einer Fülle von Episoden, Bildern, kleinen
kuriosen Geschichten, wie sie Neumann unter dem Eindruck des Klienten
und seiner Mitteilungen erfindet und - liebevoll provozierend -in der
Therapie einsetzt. "Der Träge wird zum Mops...die Depressive darf
als Dornröschen auf die Prinzen warten....die Zurückgezogene spielt
die Seejungfrau, der Elternabhängige wird Bodyguard der Eltern, der
Verschlossene darf sich als Geheimagent unkenntlich machen....".
Jede der Geschichten trägt einen Titel, z.B."Vom
Quakfrosch", "Vom kunterbunten Flatterhuhn", "Über den mutigen
Umgang mit dem schlechten Gewissen". Auch der merkwürdige Titel des
Buches hat hier seinen Ursprung.
Den poetischen Sprachspielen Neumanns stellt Bruno Peters seine
Überlegungen zum therapeutischen Theater zur Seite. Dafür ist er
besonders befähigt, da er mit dem Beruf des Psychotherapeuten den des
Schauspielers (und so auch die Erfahrung der Schauspielerausbildung)
verbindet. Dem Bestreben, in Bildern zu sehen und zu denken,
folgen dramaturgische Begriffe, wie Rolle, Figur, Szene, Regie und
Inszenierung. Sie werden zunächst auf der Bühne des Seminars
realisiert, finden dann aber auch Anwendung auf komplexe soziale
Situationen, besonders auf den beruflichen und familiären Alltag. Auf
der Bühne werden die typischen Formen der Kommunikation (und ihrer
Störung) greifbar und damit auch die Inszenierung der Symptome. Das
gilt gerade auch für die Spieler selbst. Sie gewinnen damit Distanz zu
ihrem eigenen Verhalten, können sich vom eingeschliffenen Repertoire
freimachen und neu Möglichkeiten entdecken.
Im folgenden Teil des Buches werden die Ansätze der beiden Autoren zusammengeführt. Dabei zeichnen sich als Gemeinsamkeiten folgende Prinzipien ab:
Dies wird anhand eines fünftägigen Seminar für soziale Berufe dargestellt. Es beginnt mit den Eröffnungsritualen und den ersten Eindrücken. Dann entfaltet sich ein systematisch aufbauendes Programm von Übungen und Erfahrungen in Verbindung mit Techniken, etwa: Zuweisung von Bildern, Sätzen und Szenen, Hinwendung auf Körperimpulse; Arbeiten mit vorgegebenen Texten. Dazwischen eine Reihe theoretischer Exkurse: Zur Übertragung, zur Aufgabe alter und zur Übernahme neuer Rollen; zum Auspendeln von Nähe und Distanz; zum Erschließen unbekannter Ressourcen.
Der vorletzte Tag bringt das "Werkstattheater, wobei Rollen
und Grundlinien des Textes vorgegeben sind, freilich zugepaßt auf die
individuelle Problematik. Dabei kann der Regisseur
unterbrechen und Veränderungen vornehmen, etwa hinsichtlich der
Körperhaltung, der Stellung im Raum, der Distanz zwischen den
Spielern, der Zuweisung charakteristischer Äußerungen und Attribute
wie z.B. der Clownsnase. besondere Aufmerksamkeit wird auf die
Ausarbeitung des Subtextes verwandt. Am Abend eine Fete mit
Schminktisch, unter dem Motto: "Schmink Dir an, was du verbergen
willst"! Dann erfolgt am letzten Tag die große Inszenierung mit
Requisiten und Kostümen. Als Thema etwa: das Warmreden vor einer
Talkshow. Dabei übernimmt jeder die mit ihm abgesprochene
"Antirolle, beispielsweise der Schüchjterne die des Macho. In
der letzten Arbeitseinheit des -Seminars geht es dann um die
berufliche Praxis der Teilnehmer, wofür im Buch als Beispiel das Thema
"Supervision gewählt ist.
Im Anhang des Buches findet sich eine Sammlung von
Werkstattmaterialien. Sie enthält Anweisungen für szenische
Übungen, eine Betrachtung über das "Burn-out Syndrom bei
Therapeuten, sowie ein Protokoll des Seminars "Innovation statt
Resignation; endlich Anmerkungen über die Phasen, welche Kollegen
auf dem Wege zum Therapeuten bzw.,. zum Ausbilder durchlaufen.
Abschließend bleibt mir die Frage, was das Buch dem Leser zu vermitteln hat. Mir scheint, das sich nur weniges unmittelbar auf die eigene Praxis übertragen läßt: zu sehr handelt es sich um die ganz persönlichen Wege der Autoren, die nicht zur bloßen Nachahmung geeignet sind. Wohl aber erhält der Leser Impulse, seinen eigenen Weg zu suchen. Zu dessen Gestaltung vermag das Buch - in Bejahung und Widerspruch - eine Menge Anregungen zu geben, wobei mir gerade auch die Heiterkeit und Leichtigkeit des Buches wertvoll ist.
Ich möchte aber nicht verschweigen, daß mir das Buch an manchen Stellen Schwierigkeiten bereitet. So wichtig mir auch der Umgang mit der Sprache ist, möchte ich ihr nicht so ausschließliche Bedeutung zuweisen, wie es hier zuweilen geschieht.: Körperbewegung, Atmung, sinnliches Erfahren der Welt sind mir nicht weniger wichtig- Und hinsichtlich des schöpferischen Schaffens legt es mir den Ton zu einseitig auf Freude und Spiel. Doch geht es hierbei (und in der Therapie) gerade auch um den Versuch, das Quälende und das Bedrohliche zu verarbeiten; und weiterhin um die -oft beunruhigende - Annäherung an das Fremde. Noch dies: Kreativität liegt für mich nicht allein in Spontaneität und spielerischer Schaffensfreude; ich sehe sie nicht minder im Prozeß der Gestaltung. Der aber verlangt Festlegung (das heißt auch Verzicht, Aufgeben von Möglichkeiten), Präzision (das Bemühen um die stimmige Form). Und neben der Freude des Gelingens steht immer wieder der Schmerz der Unzulänglichkeit und des Fehlschlages.
So ist es völlig in Ordnung, daß unsere Wege nicht die gleichen sind. Wohl aber gibt mir das Buch den Anstoß, endlich meine therapeutische Arbeit mit Träumen zu Papier zu bringen. Da geht es auch um Bilder, um das Befreien verdeckter Potentiale; und nicht zuletzt um das Lachen.
Also, demnächst in der GwG-Zeitschrift!
Wolfgang M Pfeiffer/ Erlangen
Prof. Dr. Wolfgang Pfeiffer, Rennestr. 13a, 91054 Erlangen