Christiane@abo.rhein-zeitung.deAngsterkrankungen zählen zu den häufigsten psychiatrischen Störungen. Ihre klinisch-symptomatologische Ausprägung und ihr Verlauf umfassen ein breites Spektrum bis hin zur Chronifizierung und Invalidisierung. Das o.g. Buch hat sich zum Ziel gemacht, das Thema "Angsterkrankungen" von einem sowohl praktischen als auch wissenschaftlichen Gesichtspunkt her aufzuarbeiten. Grob zusammengefaßt stellt es sich dabei den Fragen der Diagnostik, Epidemiologie und Verlauf, Neurobiologie, Psychologie, einschließlich der Entwicklungspsychologie, der psychopharmakologischen und pychologischen Behandlung. Dabei ist es den Herausgebern gelungen, für die Erarbeitung dieser Themen die in diesem Gebiet führenden deutschsprachigen Autoren zu gewinnen, die zu den jeweiligen Themen eine umfassende Darstellung erarbeitet haben.
Äußerst differenziert ist das erste Kapitel zur Diagnostik von Angsterkrankungen. Neben der Diagnostik und Psychopathologie der Angsterkrankungen, werden ausführlich auf Persönlichkeitsaspekte bei diesen Formen von Störungen eingegangen. Desweiteren wird sich der Problematik des Alkohl- und Medikamentenmißbrauchs bei Angststörungen gewidmet, als auch auf den Zusammenhang zwischen Suizidalität und Angststörungen, welchem in der suizidologischen Literatur bisher nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde, Bezug genommen. Darüberhinaus werden in einem Unterkapitel die Angsterkrankungen speziell bei Kindern und Jugendlichen beschrieben, was in adäquaten Fachbüchern häufig vernachlässigt wird, aber umso wichtiger zu pointieren ist, da sich die Angstkrankheiten im Kinder- und Jugendalter von den Störungen mit Ängsten pder Panik des Erwachsenenalters u.a. wegen der erheblichen Diskontinuität der emotionalen Störungen und der schwierigen Abgrenzung zu normalen Entwicklungstrends unterscheiden. Abgerundet wird das erste Kapitel durch die Aufführung der neuesten Angstskalen, die die psychometrische Beurteilung von Angsterkrankungen ermöglichen sollen.
Das zweite Kapitel befaßt sich, wenn auch im Vergleich zu den anderen Kapiteln weniger umfangreich, mit der Epidemiologie von Angststörungen und dem Langzeitverlauf von Angsterkrankungen. Sehr informativ und auch für Leser mit geringem chemischem Wissen gut verständlich, ist die Darstellung der neurobiologischen Hintergründe von Angsterkrankungen im dritten Kapitel. Es werden zum einen Grundlagen der Neuroendokrinologie und Biochemie bei Angsterkrankungen vermittelt, als auch auf die Transmittersysteme und Rezeptoren in der Neurobiologie der Angst eingegangen. Einen extra Unterpunkt bildet die Beschreibung bildgebender Verfahren bei Angsterkrankungen: die Darstellung der systemischen Untersuchungen mittels Computertomographie und Magnetresonanztomographie bei Angstpatienten ist auch für Nichtmediziner gut zu verstehen, leider aber etwas lückenhaft da für manche Formen von Angsttörungen systematische CT- oder MRT- Studien bislang noch nicht publiziert worden sind.
Die letzten Kapitel werden der Behandlung von Angsterkrankungen gewidmet. So wird zunächst die psychopharmakologische Behandlung vorgestellt, indem auf die Wirksamkeit unterschiedlicher Psychopharmaka (Benzodiazepine, Trizyklika, MAO-Hemmer, SSRIs) bei den verschiedenen Formen der Angststörungen eingegangen wird. Bevor die nichtmedikamentösen Behandlungsmethoden beschrieben werden, wird zunächst Bezug auf die psychologischen Modellvorstellungen zur Ätiologie genommen, indem vorrangig die gängigsten Modelle (lerntheoretisch und psychoanalytisch) umrissen werden.
Als psychotherapeutische Behandlungsmethoden von Angsterkrankungen werden, was dieses Kapitel besonders auszeichnet, neben den klassischen Therapieausrichtungen (Verhaltenstherapie, Kognitive Therapien, Psychoanalytische Verfahren) auch nicht- verbale Therapiemethoden vorgestellt, die sich bei der Behandlung von Angststörungen äußerst bewährt haben, jedoch oftmals mit dem Vorurteil belastet sind, nur ein geringeres Modifikationspotential in Form von emotionaler Entlastung zu haben als die o.g. verbalen Therapiemethoden. Den Autoren ist es gelungen, die Bedeutsamkeit der nicht-verbalen Therapieverfahren herauszustellen, wobei der Schwerpunkt dabei auf Entspannungsverfahren wie dem autogenen Training, der Hypnotherapie, der progressiven Musekelentspannung und dem Biofeedback liegt. Dabei wird jedoch nicht vergessen, detailliert auf die Indikation und Kontraindikation von Entspannungsverfahren bei Angstpatienten einzugehen.
Zusammengefaßt läßt sich herausstellen, daß der realtiv hohe Verkaufspreis der Buches in Anbetracht der Qualität der Beiträge und der Aktualität des vermittelten Wissensstandes durchaus angemessen ist. Derzeit gibt es nach meinen Recherchen kein vergleichbares Fachbuch, welches das Thema Angsterkrankungen in all seinen Facetten derart erschöpfend und umfassend darstellt.
Christiane Eichenberg
Universität Köln
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