Fachbereich Sozialwissenschaften
buchholz.mbb@psychotherapie.org Eine Antwort auf Joachim Küchenhoff und Erwin KaiserWir müssen wieder, darin stimme ich mit Küchenhoff und Kaiser überein, darüber diskutieren, welche Art Wissenschaft psychoanalytisches Handeln beschreiben kann - es gibt nicht nur eine wahre Version der Wissenschaft. Neben dem Popperismus gibt es wissenschaftstheoretische Positionen (z.B. Putnam, Mary Hesse, Goodman), die Alternativen bieten; Hermeneutik gehört dazu. Doch Hermeneutik und professionelles Handeln gehen sowenig ineinander auf wie Wissenschaft und Profession.
Diese Differenzen waren Anlaß für einen Band (Talley et al.), der Praxis und Forschung zu einer neuen ''Ehe`` (so die dort viel gebrauchte Metapher) zusammenführen will. Einige Autoren, wie z.B. H.H. Strupp, sehen das Physik-analoge Forschungs(para)-Dogma für die Psychotherapie höchst kritisch. Hermeneutik und qualitative Forschung werden attraktiv, sind aber nicht Profession. Jay Greenberg erläutert an einem hochinteressanten Fall, wie Professionelle Verstehensleistungen erbringen: Eine Patientin fühle sich Männern unterlegen und schildere eine Phantasie, von einem ''mad scientist`` dadurch gequält zu werden, dass er immer alles über sie wisse. Der Therapeut deutet diese Phantasie auf dem Hintergrund ihrer Biographie; sie wird zum Rahmen für ihr Bild von den Männern. Beide sprechen über das ''master-slave``-Thema. Der Supervisor meint nun, dadurch, dass es der Therapeut war, der die Phantasie gedeutet habe, habe er sich just als so wissend wie der ''mad scientist`` verhalten - was eben doch Deutung war, erscheint nun: als Agieren des Therapeuten. Nun berichte der Supervisor dem ''consultant``, wie er einen neuen Blick auf die Dinge geschaffen habe. Dieser sieht die Beziehung zwischen drei Personen und entwickelt neue klinische Hypothesen - der Supervisor als ''voyeur``. Greenberg schlussfolgert überzeugend: Füge man neue Perspektiven hinzu, so nehme jede die vorangegangene Hypothese als Grundlage für ihre eigene Sicht und erkläre die untergeordnete Hypothese. Was Rahmen war, wird Teil des Bildes. Widersprüchliche Perspektiven müssen integriert werden, jede produziere vertretbare klinische Hypothesen. Deren Wahrheit ist von der eingenommenen Perspektive abhängig und deshalb wird die Frage relevant, ob es überhaupt - im Sinne eines ontologischen Realismus - eine ''Wirklichkeit`` geben kann, die als Fels in der Brandung der möglichen Beliebigkeit von Hypothesen standhält. Spätestens seit Frege ist der ontologische Realismus nicht mehr ''up to date``, ''Beschreibung`` ist immer Teil dessen, was sie beschreibt. Andere ''Beschreibungen`` zuzulassen wird professionelle Not-Wendigkeit. Eine Beschreibung, die nicht reflektieren könnte, daß (und wie) sie selbst Teil des Prozeßes ist, wäre nichts anderes als eine Theorie herkömmlichen Typs, verhaftet der Idee, sie könnte etwas ''dort draußen`` abbilden. Just so antwortet der Forscher Luborsky dem Kliniker Greenberg, das Instrument des Zentralen-Beziehungskonflikt-Themas (ZBKT) könne das Problem der Perspektivenabhängigkeit lösen, wenn alle es nur gleichermaßen verwenden wollten. Damit aber, so mein Einwand, befriedigte man zwar den wissenschaftlichen Anspruch zugunsten stabiler Reliabilitäten (soweit überhaupt), hätte aber den spezifisch professionellen Problemzugang beseitigt - Beispiel für die Differenz zwischen Wissenschaft und Profession. Auch Hermeneutik ist Wissenschaft. Aber gehen Hermeneutik und professionelle Praxis ineinander auf? Ausbildungsangebote in Sachen Hermeneutik sind auch an psa. Instituten rar, dennoch bringen sie gute Analytiker hervor. Küchenhoff skizziert in prägnnanter Kürze Entwicklungen von Schleiermacher über Lacan und Heidegger hinaus. Gewiß, die Dynamik des Unbewußten läßt sich durch Deutung nicht ausschöpfen, noch können alle Gestalten der Entfremdung wieder angeeignet werden. Verstehen bleibt immer begrenzt - auch wenn ich gerne anfügen würde, daß professionelle Verstehensleistungen oft heilsam weiter reichen, als manche standardisierten Verfahren sich träumen lassen: durch Worte, die berühren - metaphorisch. Worte müssen gesucht, gefunden, aber auch erfunden werden. Sie stellen sich ein, wenn jene Einstellung gelingt, von der Arlow (1979) sagte, daß Analytiker und Patient gemeinsam träumen. Eben - gemeinsam. Gemeinsam stellen sie ihre Beziehung her und gemeinsam deuten sie sie. Nicht nur der Analytiker deutet; er wird seinerseits wahr-genommen, wird ''gesehen als...``. Analytiker deuten diese Deutung. Nun kommt es vor, daß der Patient auf seinen Analytiker vermittelt durch ein bestimmtes (Übertragungs-)Bild reagiert und der Therapeut registriert es nicht. Hier kann hermeneutisch nichts ausgelegt werden, weil nichts ''gesehen`` wird - und dennoch geht der Prozeß weiter. Er muß interaktiv hergestellt werden, dann kommt Hermeneutik zum Zuge. Der Professionelle muß ''Wie`` fragen: Wie kann ich den Prozeß erzeugen/vorantreiben und wie kann ich das wissen? Hermeneutik ist eine, und zwar eine sehr brauchbare Beschreibung des psychoanalytischen Prozesses - aber wir haben auch gute Analytiker, die nichts von der Hermeneutik halten, sondern den Prozeß beschreiben als ''Anwendung von wissenschaftlichen Gesetzen``, oder ... oder ....Hermeneutik oder Wissenschaft sind ebenso ''Beschreibungen`` der professionellen Leistung wie ''Chirurgie`` oder ''Archäologie`` (Freud). Ich ziehe deshalb die Formulierung von Stein (1979) vor, Psychoanalyse habe Hermeneutik wie auch Wissenschaft ''zur Seite``.
Professionelles Handeln muß von Professionstheorie unterschieden werden - diese ist Wissenschaft eines Typs, den die professionelle Praxis gut, sehr gut gebrauchen kann. Produktion von Metaphern (Teil professioneller Praxis) geschieht kreativ, deren Analyse ist hermeneutische Operation. Die Kreativität professionellen Handelns kann nicht in Variablen abstrahiert werden; das widersrpäche ihr geradezu. Deshalb muß die Professionstheorie Platz haben, sich selbst überraschen zu können. Diesen Platz zeichnet die Metapherntheorie durch ihre Wertschätzung der Imagination aus. Professionelles Handeln kann durch Theorie(n) immer nur angeregt, nie determiniert werden. Wie kann eine Theorie des psychoanalytischen Prozesses aussehen, die sich nicht schon dadurch, daß sie positiv ausformuliert ist, um die Möglichkeit ihrer Verwirklichung bringt'' Diese ''schräge``, doch scharfsichtige Frage stellte Leclaire (1965); die Metapherntheorie erlaubt Annäherungen. Die Psychoanalyse könnte hier reiche Unterstützung (Debatin 1995) erhalten; es kann Forschung (Schmitt 1995, Buchholz und v. Kleist 1997) betrieben werden, die professionellen Praktikern hilfreich ''zur Seite`` steht.
Sandler (1983) bemerkte, daß Analytiker oft hilfreiche Dinge tun - aber mit schlechtem Gewissen, wenn sie sie nicht theoriekonform begründen können. Sie handeln eben nicht als Theorie-Anwender, sondern professionell: einem ethischen Ideal der Methode und einem allgemeinen Ideal der Hilfe in individualisiertem Zuschnitt verpflichtet. Es werden keineswegs nur Hypothesen und Wahrheitsansprüche geprüft - so wollte man unterm Einfluß eines positivistischen Wissenschaftsverständnisses die analytische Situation als quasi-experimentell auffassen. Seit Stone (1961) sehen wir das anders. Wir müssen wissen, was der Patient braucht und wie wir das wissen können - Wissenschaft ist nur ein Weg unter vielen. Intuition ist unabdingbar in professioneller Praxis.
Winnicott meinte, wer nicht spielen könne, könne auch nicht analysieren. Wir wissen nicht mehr so genau, was das Wort ``analysieren`` bedeutet, da man es auch mit ''spielen`` (und anderen Metaphern wie z.B. ''stützen``, ''halten`` oder ''bemuttern``) gleichsetzen kann und muß. Für Freuds Auffassung von Wissenschaft als weltanschauungsfreier Weltanschauung existierte dieses Problem nicht, aber wenn wir heute professionelle Praxis als Wissenschaft betreiben, laufen wir Gefahr, daß wir zum Ziel haben, wissenschaftliche Beute aus dem Prozeß nach Hause tragen zu wollen, Beweise für unsere Vorlieben - und das gefährdet den Prozeß. So sehen es Plaut (1993, S. 52) und Gedo (1989, S. 7). Erlauben wir uns Distanz vom Zwang zum theoretischen Konformismus (Grossman 1996) und ermutigen uns spielerisch zur kreativen Imagination, so erzeugen wir professionell Innovation und hätten die Chance zur systematischen Irritation unseres Wissens. Wir müßten Toleranzen ausbilden. Differenz, Irritation und Toleranz sind professionelles Salz in wissenschaftlicher Suppe - und umgekehrt.
Bei Kaiser finde ich eine Haltung, die zu verstehen gibt, eigentlich seien die Dinge doch klar. Freud habe schon alles Wesentliche gesagt und andere Meinung kann nur als Mangel an Analyse erklärt werden. So spricht Kaiser von meiner ``Fixierung`` an die Einheitswissenschaft - und Fixierung ist doch ein Begriff aus der Neurosenlehre. Es ist mir schlicht unverständlich, wie er meinen kann, ich unterschreibe das ''positivistische Axiom von der Einheitswissenschaft``.
In Tiefenbrunn veranstalten wir seit Jahren Tagungen zu qualitativ-hermeneutischen Ansätzen in der Psychotherapieforschung, zu denen er einmal als Referent geladen war. Er sollte das Transkript einer therapeutischen Sitzung psychoanalytisch interpretieren. Andere lieferten konversations- und metaphernanalytische oder objektiv-hermeneutische Interpretationen. Kaisers Behauptung, Psychoanalyse sei das differenzierteste unter den qualitativen Verfahren, kann jeder in dem von mir herausgegebenen Band (Buchholz 1995) überprüfen. Auch andere Ansätze machen feine Beobachtungen und durchdringen das Material subtil. Es ist professionell und wissenschaftlich in Freuds Tradition, in jene Umwelten zu schauen, wo man etwas lernen kann.
Der interne psa. Diskurs hat manche Fragen leider nicht klären können und deshalb verweist Kaiser unterm Stichwort ''100 Jahre Diskussion der Übertragung`` eher auf ein Dauerproblem als auf dessen Lösung. Wir haben eine Fülle von Übertragungs- wie von Narzißmuskonzepten. Wer wissenschaftlich Einheit fordert, sieht hier nur babylonische Sprachverwirrung. Sieht man die professionelle Notwendigkeit, sich in schwierigen Interaktionen ein Bild zu machen, kann es nicht anders sein, als daß Professionelle in vielerlei Zungen reden. Das professionelle Pfingsten ist Antwort auf das wissenschaftliche Babylon (Buchholz 1996). Es ist kein Wunder, wenn Zuhörer je andere Imaginationen haben, aber es ist eins, wenn dennoch Verständigung gelingt trotz riesiger Differenzen lebensgeschichtlicher, weltanschaulicher und kultureller Art. Dies Wunder kann man wissenschaftlich mit Bezug auf ''Interaktion`` etwas klären.
Faßt Wissenschaft solche Bilder jedoch als ``Theorien über etwas`` auf, wird sie belehrt: ''Any thoughts on the matter must begin with an acceptance that we have no external and defined object of study``. So Tuckett (1993, S. 1181), Herausgeber des ''International Journal of Psychoanalysis`` in einer Diskussion über ''clinical facts``. Das schließt naturwissenschaftliche Einstellung aus und zwingt zur Untersuchung derjenigen interaktiven Leistungen, mit denen Analytiker ihren ''Gegenstand`` immer erst ''herstellen`` - also: konstruieren. Rothstein (1995) sieht ''Analysierbarkeit`` als kreativen Akt interaktiver ''Herstellung`` - sie ist beim einen vielleicht nicht zu haben, doch oft genug beim andern. Die Bindung professioneller Kompetenz an die Kunst der Beziehung kann den Beitrag des Analytikers nicht mehr übersehen - es muß verschiedene Theorien geben. Professionstheoretisch läßt sich die babylonische Sprachverwirrung verstehen, statt sie nur zu bekämpfen. Fragen lauten: Wie verwenden Analytiker welche Theorie? Wie reduziert sie interaktive Komplexität? Liefert sie Anregungen, steigert sie die Imagination? Wie werden aus Deutungen der Theorie Andeutungen im Dialog? Die Untersuchung solcher Fragen wäre nicht selbst professionelles Handeln, sondern findet in dessen Umwelt statt..
Unsere Theorie ist Sprache zur ''Bildung`` des professionellen Klinikers. Anna O. sprach vom ``chimney sweeping`` und die gleiche Imagination seelischer Reinigung faßten Freud und Breuer griechisch als Katharsis. Bildgebung ist Teil professioneller Interaktion - auf beiden Seiten. Deren sprachliche Form ist die Metapher. Ein Problem entsteht, wenn Bild und Interaktion nicht mehr aufeinander bezogen werden, wenn Teilnehmer an Interaktionen vielmehr objektivierend zu wissen beanspruchen, was mit dem Anderen los ist. Fest-Stellungen beenden die Vorstellung. Demgegenüber rehabilitiert die Metapherntheorie die Imagination - auch innerhalb der Wissenschaft ''darf`` nicht nur von, sondern in Metaphern gesprochen werden, denn wir können gar nicht anders! Die philosophische Grundthese ist die von der basalen Metaphorizität der Sprache (Debatin 1995), die sprachwissenschaftliche die von der Sinnlichkeit der Erfahrung vor dem Begriff (Berteau 1996, Lakoff 1987), die kognitionstheoretische hat Eingang in die psychoanalytische Theoriebildung gefunden (Bucci 1997). Metaphern sind nicht Problem - sondern Lösung, wie Ricoeur (1986) wußte. Nur wenn bildhaftes Denken sich selbst verkennt und meint, Bilder seien Begriffe (z.B. Ich-''Grenze``), resultiert Substantialisierung und Mythologisierung. Hier hat nur die ältere Diskussion geglaubt, wissenschaftliche Sprache von Bildern ``reinigen`` zu müssen - eine leicht erkennbare unbewußte Phantasie. Es gibt philosophische Grundbestände, die nur und ausschließlich durch Metaphern formuliert werden können, wie z.B. die Metaphorik des Lichts im Zusammenhang von Wissen (''Ein-Sicht``; vgl. Shengold 1981), und Aufklärung (''enlightenment``). Blumenberg (1960) sprach von ``absoluten Metaphern``. Die Metapher kann nicht durch Begriffe korrigiert werden, sondern nur, wie Debatin (1995) ebenso vertritt wie ich, durch alternative Metaphern. Die Vielfalt von Freuds Metaphern kompensiert die Dogmatik jeder einzelnen. So werden wir professionellen Aufgaben in therapeutischen Interaktionen gerecht. Gewiß, Kaiser kann darauf verweisen, daß jede Theorie immer nur Aspekte der Wirklichkeit herausschneidet. Das trifft auch für die Metaphentheorie zu. Doch hat die Vermutung, daß die psa. Theorie ohne Metapher überhaupt nicht formulierbar wäre, viel für sich. Sich mit der Metapher zu beschäftigen ist gewiß nicht marginal (Carveth 1993, Friedman 1988, Cox und Theilgaard 1987, Siegelman 1990). Im Unterschied zum Symbol arbeitet die Metapher mit einer Paradoxie. Sie macht einen ``Als-ob``-Vorbehalt, denn sie verweist auf etwas, das anders nicht gesagt werden kann (außer durch andere Metaphern). Sie deutet mit dem verbalen Zeigefinger daraufhin und sagt ``dort``, aber ``dort`` wäre ohne Metapher: nichts. Wenn sie zugleich mit solcher Dar-Stellung ihres ``Gegenstandes`` eine bestimmte Perspektive auf ihn eröffnet, macht sie es nötig, ihn auch mit alternativen Metaphern zu sehen - das ist das professionelle Problem der Multisperspektivität. Metaphernproduktion (auch in der Theorie) braucht deshalb hermeneutische Reflexion als Korrektiv.
Mich wundert, daß Kaiser auf Donald Davidson so stark Bezug nimmt. Davidson unterscheidet eine ''objektive`` (''literal meaning``) Bedeutung von Worten von deren ''use`` in Gebrauchskontexten. Das kommunikative Durcheinander in einem analytischen Dialog muß dann als nicht-korrekte Sprachverwendung abgewertet werden - wie kann man so z.B. Träume deuten? Im Traum haben Worte keine feststehende ''meaning`` - ein ''Haus`` ist manchmal ''Person`` und das wäre nach Davidson unkorrekt. Der Wissenschaftstheoretiker Putnam (1993), Gegenspieler Davidsons, äußert sich etwas geringschätzig zu einer solchen Auffassung.
In einem Berliner Graffitto heißt es, Realität sei jene Illusion, die sich einstellt, wenn man nicht gegnügend Alkohol getrunken hat. Unabhängig von diesem humorvoll gemeinten Einfall frage ich, wie Kaiser von einer ''extern`` definierten Realität in therapeutischen Beziehungen so sicher sprechen kann? Als ``Tatsache``, auf die sich Analytiker und Analysand als Drittes beziehen?
Ich habe ja nun viel über triadische Konstellationen nachgedacht und geschrieben, aber ich weiß nicht, was er meint. Denkt er an den Vater, der als ''Dritter`` zur ''Symbiose`` hinzutritt? So kann man die Dinge sehen, aber es wäre mit entwicklungspsychologischen Gegegenheiten nicht mehr verträglich; wir täten so, als hätten nur Väter ``Realität``. Wollen wir Realität so normativ auffassen? Gegen diesen Patriarchalismus protestieren mittlerweile nicht nur Mütter.
Oder will er den psa. Prozeß auf etwas abstützen, die Realität, was so ziemlich der unklarste Begriff unserer Theorie ist? Ob es in Interaktionen einheitlich eine Realität gibt, steht doch immer in Frage! Denkt man so, dann ist Übertragung nichts als ``Verzerrung`` einer - vom Analytiker definierten - Realität. Ich bin demgegenüber froh, daß es Analytiker wie Merton Gill, Irving Hoffman, Horst Brodtbeck, Stephen Mitchell und Jay Greenberg gibt, die sich ohne Berührungsängste mit konstruktivistischen Positionen auseinandersetzen und sogar, wie Gerd Overbeck (1996), die ``sprechende`` in eine ``poetische Medizin`` vorantreiben wollen - und in welchem Sinne wäre die noch Medizin?!
In der 2000jährigen Geschichte der Metapherndiskussion haben Metapherngegner ihre Ablehnung stets reichhaltig mit Metaphern begründet. So meint Kaiser, daß sich meine Sicht nur von Metapher zu Metapher schwinge und es ihr an Bodenhaftung mangele. Ich antworte: Wer professionell arbeitet, schwingt sich weder wie Tarzan von Ast zu Ast (aber im ``Dschungel`` von therapeutischen Interaktionen, von Großstädten und Ausbildungsinstituten kann das Überlebenstechnik sein), noch schlägt er sich ''in die professionellen Büsche`` - was sollte er auch dort treiben? Will Kaiser verhindern, daß jemand "auf Abwege`` gerät? Dann wäre ihm zu entgegnen, daß es auch Dinge gibt, die man am besten hinter Büschen treiben kann. Aber wer wollte sich nur dort aufhalten? Es gibt auch noch andere interessante Umwelten.
- Arlow, J.A. (1979): Metaphor and the psychoanalytic situation. Psychoanal. Quart., 48, 363-385.
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- Blumenberg, H. (1960): Paradigmen zu eienr Metaphorologie. In Haverkamp, A. (Hg.) Theorie der Metapher. Darmstadt 1983 (Wiss. Buchgesell.)
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- Buchholz, M.B. und C.v. Kleist (1997): Szenarien des Kontakts - Eine metaphernanalytische Studie zur stationären Psychotherapie. Gießen (Psychosozial-Verlag).
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- Talley, P.F., H.H. Strupp und S.E. Butler (Eds.) (1994): Psychotherapy Research and Practice. New York (Basic Books).