Dipl.-Psych. Ingo Wegener, Psychologisches
Institut der Universität Bonn, ingo.wegener@uni-bonn.de
Freitag, 17. Dezember 1999
In dem 530 Seiten starken Buch geben insgesamt 18 Autoren in 20 Kapiteln
einen umfassenden Einblick in die für Psychologen relevanten Aspekte
des Internets. Einleitend stellt Harald Wallbott die möglichen Motivationen
dar, aus denen heraus sich Psychologen mit dem Internet befassen können:
Das Internet ist Informations- und Kommunikationsmedium und deshalb interessant
für Sozial- und Medienpsychologie. Es kann als pädagogisches
Medium eingesetzt werden und so Fragen der Pädagogischen und Lernpsychologie
berühren. Und schließlich kann das Internet von Psychologen
als Mittel zur Durchführung von Untersuchungen oder zur Durchführung
von Beratung und Psychotherapie eingesetzt werden.
Bevor auf diese spezifisch psychologischen Fragestellungen eingegangen wird, bietet das Buch eine umfassende Einführung in das Internet: Zu Beginn werden unterschiedliche Zugangsmöglichkeiten zum Internet beschrieben. Dann werden die Geschichte des Internets sowie die im Internet verfügbaren Dienste ausführlich dargestellt. In einem detaillierten Kapitel gibt Oliver Schade einen Überblick über psychologische Ressourcen im Internet: Es werden wichtige Newsgruppen und Diskussionsforen vorgestellt sowie eine Vielzahl von World-Wide-Web-Adressen genannt, die fachspezifische Quellen auflisten. Der Leser erhält einen guten Überblick über das psychologische Geschehen im Internet und zugleich ein ausgezeichnetes Sprungbrett ins Internet.
Thomas Krüger, Ralf Ott und Joachim Funke lassen den Leser an ihren langjährigen Erfahrungen beim Aufbau und Betrieb eines World-Wide-Web-Servers teilhaben und unterstreichen die Möglichkeiten, die das Netz für die Außendarstellung, z.B. von Psychologischen Instituten, bietet. Weiter wird das wissenschaftliche Publizieren im Internet behandelt, und der Leser erhält eine Einführung in Hypertext und die Erstellung von World-Wide-Web-Dokumenten. Auch über Stellensuche via Internet wird ein Überblick gegeben und die Bedeutung von Kenntnissen über das Netz für den zukünftigen Arbeitsmarkt herausgestellt.
Mit den mehr inhaltlich-psychologischen Fragestellungen beschäftigen
sich die Kapitel über Kommunikation und Beziehungen im Internet sowie
das Kapitel über Lernen und Lehren, das durch ein Kapitel über
ein virtuelles Methodenseminar an der FernUniversität Hagen abgerundet
wird. Hier kommt dem Leser die praktische Erfahrung des Autors Horst Heidbrink
zugute. Sehr anwendungsorientiert sind auch die Beiträge zu Fragebogenuntersuchungen
und Experimenten im Internet, wobei deutlich wird, daß einerseits
psychologische
Forschung durch den Einsatz des neuen Mediums sehr effektiv gestaltet
werden kann, aber andererseits auch die Grenzen für die Anwendbarkeit
nicht zu übersehen sind. Vor allem die Repräsentativität
der Ergebnisse ist durch mehrstufige Selbstselektionsprozesse der Stichprobe
äußerst fraglich. Auch im klinischen Bereich hat das Internet
inzwischen eine nicht unbedeutende Position eingenommen: Nicola Döring
berichtet über durch Betroffene initiierte Selbsthilfegruppen sowie
professionelle Beratungs- und Therapieangebote.
Das Buch "Internet für Psychologen" geht inhaltlich weit über
entsprechende Bücher für andere Fachrichtungen hinaus. Es bietet
nicht nur eine fundierte Einführung in diesen rasant wachsenden Medienbereich,
sondern stellt zugleich ein umfassendes Stück Fachliteratur der noch
in den Kinderschuhen befindlichen psychologischen Forschung über das
Internet dar. Sowohl die Möglichkeiten, passiv psychologierelevante
Information über das Internet zu rezipieren, als auch aktiv Informationen
anzubieten, werden dargestellt. Dem
Leser werden dabei die vielfältigen Anwendungsbereiche des Mediums
anschaulich vor Augen geführt, und wer sich bisher noch nicht mit
dem Internet auseinandergesetzt hat, wird neugierig auf das reichhaltige
Informationsangebot im Netz. Zudem dürfte durch das neu erworbene
Wissen die Hemmschwelle, sich mit der neuen Technik auseinanderzusetzen,
stark sinken. Negativ fällt lediglich die optische Aufmachung ins
Auge, die mit viel Fließtext nicht gerade von der Umsetzung psychologischer
Erkenntnisse zur Aufbereitung von Information zeugt.