11|05|01

Smith, Mike

Hilfen für Menschen mit selbstverletzendem Verhalten
Arbeitsbuch
(Übersetzung aus dem Englischen von Ralf-Peter Gebhardt )

  • Psychiatrie-Verlag Bonn 2000; Psychosoziale Arbeitshilfe 15;
    ISBN 3-88414-256-9;
    24,80 DM (23 sFr./181 öS.); 50 Seiten


Rezension: Karl Weisensee

     

    Im Psychiatrie-Verlag Bonn ist aus der englischen Serie  »Vom Opfer zum Sieger«
(Victim to Victor) ein weiteres Arbeitsbuch nach »Stimmenhören verstehen und
bewältigen« (von Coleman/Smith) erschienen.

    Ein Arbeitsbuch für die Hand von Selbstverletzern: Der Autor versucht strukturiert
Betroffenen an eine intensive Auseinandersetzung mit ihrem selbstverletzenden
Verhalten heranzuführen. In fünf kurzen Kapiteln werden die Leser aufgefordert, ihre
Lebensgeschichte, ihre Symptomgeschichte und ihre Behandlungsgeschichte
aufzuschreiben und zu reflektieren.
    In einem Kapitel werden allgemein verständlich Theorien zu Selbstverletzung skizziert.
Ein weiterer Abschnitt fordert zu einem Klärungsprozess auf, was der Betroffene für
sich erreichen will und wie Angehörige oder Therapeuten sie unterstützen können.
Im letzten Kapitel geht es dann um das Leben mit diesem Verhalten und die Entwicklung
eines Aktionsplans. Danach findet sich noch eine kurze Literaturliste, die erfreulicherweise
nur deutschsprachige Titel enthält. Zum Abschluss laden Autor und Übersetzer ein,
Ihnen eine Rückmeldung über das Arbeitsbuch zu geben. 

    Das Arbeitsbuch sprach mich persönlich direkt positiv an. Es geht systematisch
vor und ermöglicht Betroffenen, ihr Verhalten und ihre Wünsche und Ziele zu klären.
Meiner Ansicht nach lässt es sich gut zur Therapiemotivation einsetzen, aber auch
zur Unterstützung laufender Behandlungen. Durch das Arbeitsbuch zieht sich der rote
Faden Autonomie des Betroffenen. Stichworte wie Salutogenese und Empowerment
fallen mir zu diesem wirklichen Arbeitsbuch ein.
    Wünschenswert fände ich zu Beginn eine Warnung: Mir fehlt ein Hinweis,
dass die Auseinandersetzung mit der eigenen Selbstverletzung, die ja gerade angeregt
wird, ein Trigger oder Hinweisreiz zu einer weiteren Selbstverletzung sein kann. Ich
werde diese Arbeitsbuch Patienten empfehlen mit dem ergänzenden Hinweis: „Achten
Sie beim Schreiben darauf, wie nah Sie an einer erneuten Selbstverletzung sind: 10 steht
für unwiderstehlicher Drang, 0 für kein Wunsch nach Selbstverletzung. Wenn Sie bei
der Bearbeitung merken, dass sie näher an eine neue Selbstverletzung rutschen, hören
Sie bitte spätestens bei 5 auf, setzen Sie Ablenkungstechniken ein oder anderen
Strategien, die Sie schon kennen." Ich bin gespannt auf die Erfahrungen, die ich mit
diesem Arbeitsbuch machen werde.

Karl Weisensee LII
http://www.trauma.response.com

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