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Rezension:
Bernad Batinic (Hrsg.) (1997): Internet für Psychologen. Göttingen: Hogrefe.

Dipl.-Psych. Ralf Ott, Psychologisches Institut der Universität Bonn, ralf.ott@uni-bonn.de

Donnerstag, 22. Mai 1997


Eine subjektive Rezension und ein Erfahrungsbericht zur Entstehung des Buches "Internet nicht nur für Psychologen".

Der Hogrefeverlag hat eine eigene Homepage für dieses Buch eingerichtet: http://www.hogrefe.de/netpsycho. Dort befinden sich ein Diskussionsforum, die Kapitelanfänge zum "Anlesen" und einige Kapitel als pdf-Dateien. Entsprechende Links im Text gehen zu den Verlagsseiten.


Daß das Internet ein mächtiges Informations- und Kommunikationsmedium darstellt, dürfte inzwischen unwidersprochen sein. Was aber macht nun das Internet für Psychologen so wichtig, daß es ein Buch zu diesem Thema erscheinen mußte? Prof. H.G. Wallbot gibt im Einleitungskapitel eine Antwort auf diese Frage, die zugleich der internen Gliederung dieses Buches entspricht:

  1. Das Internet ist ein neues, sich rasch weiterentwickelndes Kommunikationsmedium, das eine Reihe von medien- und sozialpsychologischen Fragestellungen aufwirft und zugleich auch in Form eines riesigen Feldversuches beantworten kann.
  2. Das Internet kann als pädagogisches Medium eingesetzt werden und somit sinnvoll Unterricht und Lehre unterstützen, ja sogar erheblich die Möglichkeiten derselben erweitern.
  3. Mit dem Internet steht ein Medium zur Verfügung, das neue Wege der Datengewinnung - sei es durch psychologische Befragungen oder Experimente - ermöglicht.
Für Internetunerfahrene werden zu Beginn Zugangswege zum (Bosnjak & Batinic, Kap. 2) und Dienste im Internet (Schade, 4) beschrieben. Hier werden in Grundzügen die Möglichkeiten (email, News, Telnet, FTP, IRC, Gopher und WWW) des Internet erklärt und die Wahl eines geeigneten Providers erleichtert. Ebenso beschäftigen sich zwei Kapitel mit dem Erstellen von HTML-Dokumenten (Schade, Kap. 19; Reips, Kap. 20) und geben ein ehe praxisorientierte Einführung zum Erstellen einer eigenen WWW-Seite.

Mit sozial- und medienpsychologischen Fragestellungen beschäftigen sich die Kapitel 12 (Döring), 13 (Döring) und 14 (Scholl & Pelz). Der erste Beitrag von Döring beschreibt die Besonderheiten der Kommunikation im Internet und endet mit einer Typisierung von Kommunikationsarten im Internet. Darauf aufbauend untersucht Döring in ihrem zweiten Beitrag den Begriff der Identität im Internet und die Besonderheiten und Neuheiten von virtuellen Beziehung. Beispielhaft wird hier immer wieder auf die sogenannten MUDs (Multi User Dimension/Dungeon, Rollenspiele per IRC) zurückgegriffen. Im Zentrum des Kapitels von Scholl und Pelz befinden sich deutsche Wissenschaftlerinnern. Die Autoren berichten aus einer eigenen Studie, in der untersucht wurde, inweit die Möglichkeiten der computervermittelten Kommunikation Einzug in die deutsche Wissenschaftlerinnengemeindschaft gehalten hat und von welchen Determinanten die Nutzung derartiger Ressourcen abhängt.

Das Thema Lernen im Internet wird von verschiedenen Perspektiven betrachtet. Döring differenziert im Kapitel 15 verschiedene Unterrichtsmodelle, nach denen Lernen und Lehren im Internet stattfinden kann. Ein konkretes Beispiel folgt im anschließenden Kapitel 16. Heidbrink beschreibt ein von ihm geleitetes virtuelles Methodenseminar zum Thema "Fragebogenentwicklung" an der Fernuniversität Hagen. Eher lernpsychologische Themen decken die Beiträge von Gerdes (Kap. 6) sowie Ohler und Nieding (Kap. 7) ab. Gerdes führt hierbei zur erst in die theoretischen Grundlagen des Hypertextes ein und beschäftigt sich dann ebenso wie Ohler und Niedig ausführlich mit Lernen und Wissenserwerb in Hypertexten.

Aspekte der Datengewinnung werden in den Kapiteln 10 (Batinic & Bosnjak) und 11 (Reips) erläutert. Im Beitrag von Batinic und Bosnjak wird die Anwendung von Fragebogenerhebungen im Internet diskutiert. Reips führt in die Möglichkeiten des Experimentes im Internet ein. Vor- und Nachteile werden anhand eines konkreten Experimentes beschrieben.

Abgerundet wird das ganze Buch durch Beiträge zur Geschichte des Internets (Musch, Kap. 3), zum Aufbau eines WWW Servers (Krüger, Ott und Funke, Kap. 8), zum elektronischen Publizieren (Ott, Krüger und Funke, Kap. 9), zu Selbsthilfe, Beratung und Psychotherapie (Döring, Kap. 17), zu Berufschancen für internetkundige Psychologinnen (Vornefeld, Kap. 18) und einen hervorragenden Überblick zu psychologischen Webadressen (Hahn, Kap. 5).

Alles in allem eine feine Sache. Und: Es hat Spass gemacht dazu beizutragen. ...
Im März ‘96 fragte Bernad Batinic per email, ein junger Arbeits-und-Betriebs-Psychologe aus Giessen, bei PD Dr. Joachim Funke, Webmaster des Psychologischen Instituts der Universität Bonn an, ob Interesse an einem Buchbeitrag zum Thema "Internet für Psychologen" besteht. Rund 14 Monate, geanu 420 Mails und zwei face-to-face-Treffen auf dem DGPs-Kongreß in München (September 1996) und der letzten TeaP in Berlin (März, 1997) später habe ich ein Autorenexemplar in der Hand. Aus einer Idee, ein paar Internet begeisterten Psychologinnen und einer Mailingliste ist somit tatsächlich in kurzer Zeit ein Buchprojekt bei einem angesehenen Psychologenverlag entstanden.

Unser kompletter Informationsaustausch lief über die mailing-liste, hier wurden Gedanken ausgetauscht, über neue Beiträge diskutiert, Beiträge gereviewt, bei Bernad B.s Verlagsverhandlungen die Daumen gedrückt und schließlich die Formatierung besprochen. Mit dem Vorliegen des Buches ist damit IMHO alles gesagt darüber, wie wichtig das Internet ist. Allerdings sehe ich einen Schwachpunkt, das Thema Psychotherapie/klinische Psychologie ist ein wenig unterrepräsentiert. Aber vielleicht finden sich ja in dieser mailing-liste eine erfahrene Autorinnen, die zum Thema "Psychotherapie im Internet" etwas sagen können. Ein Verlag würde sich sicherlich finden lassen ;).

Ralf Ott


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