karl.weisensee@psychotherapie.org1994 in Italien erschienen erzählt die Autorin von ebenso alltäglichen wie abstrusen Ängsten. Wie der Titel schon sagt: Die Angst, sich auf ein Sofa zu setzen. Es handelt sich um 22 Vignetten, die manchmal erheiternd, manchmal erschreckend und beklemmend zu lesen sind: Die unbeschreibliche Angst vor Spaghetti`s oder vor Kreditkarten, aber auch weniger abwegig die Angst vor dem Fahrstuhl. Allerdings nur zum geringsten Teil aus ihrer langjährigen Praxis als Psychotherapeutin, wie der Klappentext behauptet, sondern es enthält ganz subjektive Schilderungen des beklemmenden Angsterlebens der Betroffenen, die sich eben nicht einer Behandlung unterziehen. Gerade von solchen Ängsten berichtet sie, die so alltäglich wie abwegig sind, daß sie nicht unbedingt zu einem Kontakt mit einem Psychotherapeuten führen.
Es handelt sich um eine Sammlung von Kurzgeschichten, die jeweils ein sehr genaues Bild von Menschen mit Ängsten zeichnen, die uns "teils komisch, teils beklemmend die Fragwürdigkeit unserer eigenen Normalität vor Augen" führen. In jeder Geschichte wird eine ebenso absurde wie lächerliche Angst vorgestellt. Der Kontext der Entstehung, die beteiligten Personen und Umstände und manchmal auch das Verschwinden dieser spezifischen Angst wird sehr plastisch und aus dem eigenen Erleben des Betroffenen erzählt. Für jeden, der mit Angst und Angstpatienten zu tun hat, ein beklemmendes Vergnügen. Einfühlsam und geschickt empfindet die Autorin das jeweils sehr spezifische Angsterleben nach. Deutlich wird dabei, wie sehr psychoanalytisches Gedankengut in teilweise verkürzter und verzerrter Form Eingang in die allgemeine Kultur gefunden hat. "Die Angst ist ein zu wichtiges Gefühl, um darauf verzichten zu können." schreibt die Autorin im letzten Abschnitt des Buches, daß sie mit "Meine Freundin, die Angst" überschreibt, und einige ihrer Gedanken zu diesen Ängsten enthält. Und in der Tat stellt sie heraus, daß diese Phobien wie Freundinnen sind, derer man sich "wie aus einem Vorratsspeicher bedienen kann, wenn man sich gewisse Dinge nicht bewußt machen will". Insgesamt ein beklemmend vergnügliches Buch.
Karl Weisensee