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Chronische Schmerzsyndrome - Psychotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten

zusammengestellt von Dr. med. Winfried Häuser, Facharzt für Innere und Psychotherapeutische Medizin


Übersicht

1. Definition des Schmerzes

2. Wann ist eine schmerzpsychotherapeutische Behandlung sinnvoll?

3. Was kann eine schmerzpsychotherapeutische Behandlung erreichen?

4. Schmerzpsychotherapeutische Behandlungsmethoden

5. Nützliche Links - Wie finde ich einen Schmerzpsychotherapeuten?

6. Meine Publikationen zu diesem Thema


Definition des Schmerzes

Schmerz ist ein komplexes subjektives Erlebnis. Beim Schmerzerleben lassen sich unterscheiden :

- Sensorische Ebene: Wo wird der Schmerz, wie intensiv, in welcher Qualität, wie lange empfunden? ( z.B. Ich fühle seit 2 Stunden im Kreuz einen bohrenden , intensiven Schmerz)

- Gedanklich-gefühlsmäßige Ebene: Welche Gedanken und Gefühle sind mit dem Schmerz verbunden ? (z.B. Ich bin ärgerlich und niedergeschlagen, weil ich schon wieder Rückenschmerzen habe. Es wird wohl nie besser werden.)

- Verhaltensebene: Welche Verhaltensweisen sind mit dem Schmerzerleben verbunden? ( z.B. Wegen meiner Kreuzschmerzen gehe ich zum Arzt, werde krankgeschrieben, nehme Schmerzmittel ein und vermeide körperliche Aktivität )

Daraus folgt:

- Eine nachweisbare Gewebeschädigung ist nicht notwendig für ein Schmerzerleben ( Bei manchen Schmerzen läßt sich keine eindeutige Gewebeschädigung nachweisen)

- Schmerzen sind immer echt! Die Etikettierung eines Schmerzpatienten als Simulanten, weil keine ausreichende Gewebeschädigung vorliegt, ist nicht gerechtfertigt.

- Das Gefühl "Schmerz" ist genauso bedeutsam wie die Sinnesempfindung "Schmerz"!

Akuter Schmerz ( 8 Tage) ist zeitlich begrenzt und wird in der Regel durch äußere (z.B. Verletzung) oder innere (z.B. Entzündung) Prozesse ausgelöst. Akuter Schmerz hat eine Schutzfunktion. Er zwingt zur Schonung und dient der Wiederherstellung der körperlichen Unversehrtheit.

Bei Schmerzen im prächronischen Stadium (bis 3 Monate) hat der Schmerz seinen Signalcharakter noch teilweise erhalten.Er weist z.B. auf eine ständige körperliche Fehlbelastung bzw. -haltung oder auf ein Zuviel an Stress hin.

Der chronische Schmerz ( Dauer länger als 6 Monate) hat in der Regel seine Warnfunktion verloren und ist zu einer eigenständigen Erkrankung geworden. Durch die ständigen Schmerzen sind die Betroffenen reizbar und niedergeschlagen. Erfolglose Behandlungsversuche führen zu Gefühlen der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins sowie Rückzug von sozialen Kontakten. Berufliche und familiäre Probleme können entstehen. Die vielfältigen seelischen und sozialen Folgen beeinflussen wiederum das Schmerzerleben negativ.  


Wann ist eine schmerzpsychotherapeutische Behandlung bei chronischen Schmerzen sinnvoll?

Chronischer Schmerz ist ein Puzzle aus körperlichen, seelischen und sozialen Anteilen. Die Zusammensetzung dieses Puzzles läßt sich nur durch eine sorgfältige medizinische und psychologische Diagnostik herausfinden. Oft müssen die Diagnosen von mehreren Fachärzten zu einem Ganzen zusammengetragen werden. In der Regel ist eine Kombination von medikamentöser Therapie, nichtmedikamentöser Therapie (z.B. Akupunktur,TENS), physikalischer Therapie (z.B. Krankengymnastik) und Schmerzpsychotherapie notwendig. Eine schmerzpsychotherapeutische Mitbehandlung kann sinnvoll sein bei:

- persönlichen oder zwischenmenschlichen Konflikten, welche mit der Schmerzsymptomatik einhergehen

- Depressionen und Ängsten

- Ungünstiger Schmerzverarbeitung ( z.B. ausgeprägtes Schonverhalten oder Durchhaltestrategien; Gefühlen der Hilf-und Hoffnungslosigkeit)

- Unzureichender Stressverarbeitung

- Medikamentenmißbrauch und -abhängigkeit


Was kann eine schmerzpsychotherapeutische Behandlung erreichen?

Viele Menschen mit chronischen Schmerzen sind von den bisherigen Behandlungen enttäuscht, weil diese keine Schmerzfreiheit hergestellt haben. Ziele einer schmerzpsychotherapeutischen Behandlung sind nicht die Schmerzfreiheit, sondern die verbesserte Schmerzbewältigung und die Steigerung der Lebensqualität - trotz eventuell weiter bestehender Schmerzen. Schmerzpsychotherapie bedarf der aktiven Mitarbeit !


Schmerzpsychotherapeutische Behandlungsmethoden

- Kognitive Verhaltenstherapie ( Schmerzbewältigungstraining): In Einzel- bzw. Gruppensitzungen lernen PatientInnen mit chronischen Schmerzen, ihre Muskeln und vegetatives Nerevensystem zu entspannen ( Muskelentspannung), ihr Schmerzempfinden in den Hintergrund treten zu lassen ( meditative und Vorstellungsübungen), schmerzfördernde Gedanken abzubauen (positiver denken), ihr Wohlbefinden zu steigern (Genußtraining) sowie Alltagsbelastungen besser zu meistern (Stressbewältigungstraining)

- Hypnotherapie: Hypnose ist das älteste schmerzpsychotherapeutische Verfahren mit der weitesten Anwendungsmöglichkeit. In Trance kann sowohl die Schmerzwahrnehmung und die damit verbundenen Gedanken und Gefühle verändert ( symptomorientierte Hypnose) als auch schmerzmitbedingende innere Konflikte bearbeitet (konfliktbearbeitende Hypnose) werden .

- Tiefenpsychologisch orientierte Therapie und systemische Paar-und Familientherapie: Lösung innerer bzw. zwischenmenschlicher Konflikte, welche mit dem Schmerzerleben verknüpft sind

- Biofeedback: Durch bioelektrische Geräte erhalten die PatientInnen über optische oder akustische Signale Rückmeldungen über körperliche Prozesse, z.B. Muskelanspannung. Durch die unmittelbare Rückmeldung über den augenblicklichen Spannungszustand kann z.B. bei Spannungskopfschmerzen durch Entspannungsübungen die Muskelverspannung reduziert werden.


Nützliche Links - wie finde ich einen Schmerzpsychotherapeuten?

Fragen Sie nach bei Ihrem behandelnden Arzt, einer regionalen Schmerzkonferenz (Regelmäßiges Treffen von Ärzten aller Fachgruppen und PsychologInnen, die sich mit Schmerztherapie beschäftigen) oder bei der


Meine Veröffentlichungen zu diesem Thema


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Infokontakt
31. Mai 1997